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Arnhold, Andreas:
Entstehung von Zensur und ihre Herausbildung in der BRD, Magister-arbeit
am Institut für Politikwissenschaften der Universität Leipzig, 2001
(unveröffentl.).
Gut recherchierte,
illustrierte Abschlußarbeit auch mit Anleihen aus unseren Büchern.
Arnhold widmet sich kritisch und sachkundig u.a. den sozialen und
juristischen Aspekten.
Baacke,
Dieter / Farin, Klaus / Lauffer, Jürgen
(Hrsg.): Rock von Rechts II. Milieus, Hintergründe und Materialien,
Berlin 1999.
Reich illustrierte medienpädagogische Beiträge zum Verständnis
von rechtsideologi-scher Rockmusik. Textauszüge, Plattencover und eine
Liste der Rechtsrock-Veröffent-lichungen (auch indizierte/verbotene)
Tonträger bieten gute Einblicke in diese Subkultur.
Beisel, Daniel:
Die Kunstfreiheitsgarantie des Grundgesetzes und ihre strafrechtlichen
Grenzen, Heidelberg 1997, zugl. Diss. jur., Univ. Tübingen.
Für eine juristische Diss. erfrischend unkonventionell
geschrieben, plädiert der Autor kompetent und anschaulich für eine
weit gesteckte Kunstfreiheit. Mit fast interdisziplinä-rem Ansatz
bezieht die umfassende Studie auch außerjuristische Literatur mit ein.
Sehr empfehlenswert, aber mit DM 218.- (bei 461 S.) leider teuer. Zur
Not sollte man sich das in Juristenkreisen nicht unumstrittene Buch in
einer Universitätsbibliothek ausleihen.
Bertler, Andreas &
Lieber, Harry: Hölle auf Erden Kompendium 2000, München 1999.
In diesem sehr imposanten Wälzer (rund 1200 S.!) besprechen und
bewerten die Autoren über 4500 Filme und 350 Bücher aus dem im
weitesten Sinne phantastischen Genre (Horror, Fantasy, Action etc.).
Anfangs eher belächelt, hat sich das reich mit Standfotos bebilderte
Nachschlagewerk zu einem empfehlenswerten Ratgeber gemausert, der auch
Filme erwähnt, die bei Frank Trebbin nicht vorkommen – Das
umfangreichste deutschsprachige Filmlexikon seiner Art mit guten
Preis-Leistungsverhältnis. [Als CD-ROM mit Cover-Abb./Filmsequenzen vom
AG Tiergarten im März 2000 beschlagnahmt].
Bethmann, Andreas:
The Best of Art of Horror 1 und 2, Hille 1996 und 1997.
Mit je 200 S., vielen Sw-Fotos von Covern/Standbildern
illustriert, ist die Zusammen-stellung sog. Schnittberichte der
"Art of Horror"-Hefte für Horrorfans interessant. Im 1. Teil
sind auch Index-Listen und die Indizierungsbegründung des
"Moviestar"-Sonder-heftes "Zombies" (mittlerweile
aufgehoben) abgedruckt. Vor allem im Band 2 finden sich spannende
Kapitel zur Zensurpraxis. 2000 erschien eine
"Millenniumsausgabe" als aktu-alisierte Kompilation beider
Teile. 2001 erscheint sein "X-Rated Filmzensur"-Buch.
Ders.:
Deep Red Gore Handbook – Die 100 blutigsten Horrorfilme, o.O. (Hille)
1999.
Name ist Programm bei diesem aufwändig gemachten Fan-Buch. In
zwei Versionen (als schwarzweißer Normal- und als farbig illustrierter
Luxusausgabe) bringt Bethmann eine subjektive Auswahl der heftigsten
Splattermovies. Für jeden Film stehen zwei Seiten für Text und sehr
anschauliche Fotos zur Verfügung. Persönliche Bewertungen, Angaben zum
eventuellen Verbot und der Abdruck des BPjS-Film-Indexes (nur in der
Luxusversi-on) runden die pralle Kompilation ab. Solange so was erlaubt
ist, geht's mit der Zensur.
Bilder,
die lügen:
Begleitbuch zur Ausstellung im Haus der Geschichte der Bundes-republik
Deutschland (Hrsg.), Bonn 1998.
Das Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung ist zwar
interessant und handwerklich solide gemacht, aber etwas arg harmlos
ausgefallen. So werden die Aspekte der Wirk-lichkeitsmanipulation durch
Veränderung der Medien wohl durch zahlreiche Bild-beispiele und knappe
Texte gut veranschaulicht. Hingegen waren die Verantwortlichen bei
Themen wie Comic und Jugendschutz leider nicht mutig genug, Roß und
Reiter zu nennen, und anhand einschlägiger Beispielillustrationen zu
verdeutlichen.
Bodmer,
Marc: Artikel
135 StGB – Gewalt in den Massenmedien: Gewaltdarstellung und
Pornographie als Ursache für abweichendes Verhalten? [Arbeitstitel],
Diss., Univ. Fribourg/Schweiz [in Vorbereitung].
Die Untersuchung befaßt sich mit dem 1989 im Schweizer
Gesetzbuch eingeführten Artikel 135, der u.a.
"Brutalo-Videos" verbietet. Kurator der Dissertation ist
Daniel Ortolan, dem ich diesen Hinweis auf die noch nicht abgeschlossene
Arbeit verdanke.
Bonin,
Andreas von: Die
Kontrolle digitaler Kommunikationsinhalte. Grenzen staatlicher Regelung
und Möglichkeiten kooperativer Kontrolle, Baden-Baden 2000.
Universitäre Abschlussarbeit, die sich kritisch den
unterschiedlichen Rechtsvor-schriften widmet, welche Kommunikation im
Internet regeln. Der Autor plädiert gegen vermehrte staatliche Verbote
und für mehr
Eigenverantwortung und Selbstkontrolle.
Boone,
Aron (d. i. Heiko Bender):
Kannibalen!, Hille 1998.
Ein Buch von Fans für Fans aus der
"Moviestar"-Buchschmiede. Der Autor stellt die den meisten
Zuschauern wohl nur noch durch die Indices bekannten Filme vor, präsen-tiert
die 'Steckbriefe' der (meist italienischen) Regisseure der
Kannibalen-Filme und hängt einige Real-Life-Kapitel dran. Viele Infos,
Abb. und leider viele (Druck-)Fehler.
Bremer,
Karsten: Strafbare
Internet-Inhalte in internationaler Hinsicht. Ist der National-staat
wirklich überholt?, Diss. jur., hier Frankfurt/M. 2001.
Viele "contents" werden je nach Region als
Kommunikationsdelikte angesehen. Der Autor untersucht die bisherigen
Regelungsversuche und meint, nationale Ansätze sollten nicht vorschnell
über Bord geworfen werden.
Büttner, C. / Crans, C. / v.
Gottberg, J. (Hrsg.):
Jugendmedienschutz in Europa, 1999.
Das Buch zeigt die voneinander abweichenden
Jugendschutzbestimmungen in Europa.
Couvares, Francis G. (Ed.):
Movie censorship and American culture, Washington 1996.
Angefangen von den Lichtspieltheaterlizenzen, über den
"Hays Code" in Hollywood und der politischen Zensur im Kalten
Krieg, bis hin zur konträren Diskussion um Sex, Gewalt und Blasphemie
beleuchten die Aufsätze der 11 Autoren dieses beim "Smith-sonian
Institut" erschienenen Buches die Zensurgeschichte amerikanischer
Filme.
Creech, Kenneth C.:
Electronic Media Law and Regulation, Woburn/USA 2000.
Creepshow
Video Guide. Von
Astro bis X-Rated: Uncut-Videolabel im Überblick, von Stefan Novak und Stephan Wolf,
Selbstverlag, Waiblingen 2001.
Engagierter bebilderter Führer durch die unübersichtliche Szene
der Re-Issues, Boot-legs etc. Die Labels und Filme werden kurz
vorgestellt und bewertet. Da sich darunter auch indizierte/verbotene
Streifen befanden, wurde das Buch polizeilich beschlagnahmt.
Dautrich,
Kenneth J./Yalof, David A.:
The First Amendment and the Media in the Court of
Public Opinion, Cambridge/GB 2002.
Das vorangekündigte Buch wird sich mit dem Wert des Rechtes auf
Meinungs- und Pressefreiheit in der amerikanischen Öffentlichkeit
befassen.
Deichmohle,
Jan: Zensiert.
Ideologiekritik am Feminismus, Frankfurt/M. o.J. (1997).
Recht wirrer, im Selbstverlag herausgebrachter Text mit dem
verheißungsvollen Unter-titel "Meinungsfreiheit statt Zensur"
– leider aber eine unzusammenhängende Ansamm-lung von Zitaten, enttäuschungstriefenden
Erlebnisberichten und Spekulationen.
Demandt,
Alexander:
Vandalismus: Gewalt gegen Kultur, Berlin 1997.
Dieser sorgfältige historische Abriß von Kunstfrevel,
Bildersturm und Zerstörung von Kulturwerken seit der Antike befaßt
sich zwar nicht mit Zensur im klassischen Sinne, fügt dem Thema der
Beseitigung mißliebiger
Geistesprodukte aber spannende Aspekte hinzu.
Determann,
Lothar:
Kommunikationsfreiheit im Internet. Freiheitsrechte und gesetzliche
Beschränkungen, Baden-Baden 1999.
Umfangreiches (653 S.) und teures (DM 198.-) Kompendium eines
Rechtsanwaltes zur Rechts- und Wirtschaftspraxis, zum Jugend-, Ehr-,
Verbraucher- und Datenschutz.
Drücke, Bernd:
Zwischen Schreibtisch und Straßenschlacht? Anarchismus und libertäre
Presse in Ost- und Westdeutschland, Ulm 1998, zugl. Diss. phil. 1998,
Univ. Münster.
Die auf ihrem Gebiet als Standardwerk einzuschätzende,
umfangreiche (640 S.) sozio-logische Doktorarbeit zeigt anhand vieler
Beispiele auch die staatlichen Repressionen gegen anarchistische
Underground-Organe auf. Viele Textillustrationen zeugen von der Vielfalt
nicht zuletzt der oftmals gewitzten Zensurumgehungsstrategien innerhalb
eines (Sub-)Kulturbereiches, den unser vorliegendes Buch nicht näher
eruieren kann.
Dunkhase,
Dirk: Das
Pressegeheimnis. Wandel und Perspektiven gesetzlicher Sicherungen der
Pressefreiheit gegen strafprozessuale Zwangsmaßnahmen, Diss. jur., hier
Berlin 1998.
Teure (DM 118.-/234 S.) jur. Diss. zu Zeugnisverweigerung etc.
seit dem 19. Jhdt.
Erdemir, Murad:
Filmzensur und Filmverbot: Eine Untersuchung zu den
verfassungs-rechtlichen Anforderungen an die strafrechtliche
Filmkontrolle im Erwachsenenbereich, Marburg 2000, zugl. Diss. jur.
1999, Univ. Marburg.
Die in der Reihe "Kriminalwissenschaftliche Studien"
erschienene juristische Doktor-arbeit widmet sich dem Problem des
Verbotes von gewaltverherrlichenden und porno-graphischen Filmen. Der
Autor kommt u.a. zu dem Ergebnis, daß nachträgliche Verbote in aller
Regel die grundgesetzliche Freiheit nicht verletzen und keine Zensur
darstellen. Letztlich komme es auf Einzelfallprüfungen an. Informative
Studie (244 S. für DM 77.-).
Fellner, Sabine:
Kunstskandal! Die besten Nestbeschmutzer der letzten 150 Jahre, Wien
1997.
Diese 'chronique scandaleuse' der Kunstgeschichte schildert,
welchen Ärger heutzutage zumeist als harmlos etablierte Werke z.B. von
Klimt bis zu Hermann Nitsch erregten.
Fiedler, Christoph:
Die formale Seite der Äußerungsfreiheit: Zensurverbot und Äuße-rungsgrundrechte,
Berlin 1999, zugl. Diss. jur. 1997/98, Univ. Bonn.
Fachlich versierte und üppige (560 S. für DM 144.-) juristische
Dissertation zu dem bekannten Problem – für Nicht-Juristen aber eher
unanschaulich und entsprechend lang-weilig zu lesen. Erstaunlich, daß
sich angesichts vieler ähnlich gelagerter Studien (von denen das
Literaturverzeichnis nur wenige erwähnt) noch neue Aspekte finden
lassen.
Finke,
Thorsten: Die
strafrechtliche Verantwortung von Internet-Providern, Tübingen 1998,
zugl. Diss. jur. 1998, Univ. Tübingen.
Der Fall "CompuServe" und die Einführung des sog.
"Multimedia-Gesetzes" (IuKDG) 1997 offenbarten den Klärungsbedarf
im juristischen Neuland Internet. Einen inter-essanten Beitrag zu dem hochaktuellen Thema liefert diese
Dissertation. Sie schildert, was im Netz verboten ist, welche Gesetze
zur Anwendung kommen und ob die Provider für ihre Inhalte haftbar
gemacht werden können bzw. sollen. Finke plädiert für mehr
Eigenverantwortung der Betreiber und eine internationale Rechtsprechung
zur Ahndung von Urhebern und Empfängern strafbarer Online-Inhalte.
Foerstel,
Herbert N.: Banned
in the Media. A Reference Guide to Censorship in the Press, Motion
Pictures, Broadcasting, and the Internet, Westport/USA 1998.
Solides Buch über Zensur in Amerika mit historischen Übersichten,
31 wichtigen Urtei-len, Listen/Internet-Adressen von Organisationen und
einer schmalen Bibliographie.
Folckers, Nils / Solms, Wilhelm
(Hrsg.): Was kostet
der Spaß? Wie Staat und Bürger die Satire bekämpfen, Marburg 1997.
Informatives illustriertes Buch (125 S.), das einige spektakuläre
Prozesse gegen hiesige Satire darlegt, z.B. Engholm vs. Titanic, Bohley
vs. Eulenspiegel, Markwort vs. Zitty...
Freedom
and Responsibility.
What we have done, why we do it – Texts, Reports, Essays, NGOs,
Yearbook 1998/1999, Represenative On Freedom of the Media, Wien 1999.
300seitige englischsprachige Aufsatzsammlung zu den Aktivitäten
der von Freimut Duve geleiteten OSZE-Abteilung mit vielen Beiträgen über
den Zusammenhang von Mei-nungsfreiheit, Kultur und Medien +
Liste engagierter nichtstaatlicher Organisationen.
Die Freiheit des Verlegers. In
Verantwortung für ein Menschenrecht.
Herausgegeben. vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. aus Anlaß
der 50. Frankfurter Buch-messe, Frankfurt/M. 1998.
Der deutsch- und englischsprachige Reader versammelt
internationale Essays zur Frei-heit des Wortes und listet zahlreiche
NG-Organisationen, die sich für die Meinungsfrei-heit einsetzen, mit
Kontaktadressen, Arbeitsbereichen und Selbstbeschreibungen auf.
Gärtner, Stefan:
Zum Einfluß der Meinungsfreiheit auf § 1 UWG am Beispiel der
Problemwerbung, München 1998, zugl. Diss. jur., München 1996.
Schockwerbung à la Benetton kann nicht nur vom Werberat
abgemahnt, sondern auch von Gerichten verboten werden. Welche
Botschaften aufgrund welcher Rechtsprechung untersagt sind und inwieweit
derlei Eingriffe gegen die Meinungsfreiheit verstoßen, untersucht diese
jurist. Diss. anhand des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb.
Gamboni,
Dario: Zerstörte
Kunst. Bildersturm & Vandalismus im 20. Jahrhundert, Köln 1998.
Der Schweizer Kunsthistoriker schreibt über moderne Varianten
des Ikonoklasmus, das mutwillige Zerstören von Kunstwerken, Schleifen
von Kulturstätten und die 'damnatio memoriae', d.h. das Auslöschen der
Erinnerung – bevorzugt an unterlegene Gegner. Auch alltäglicher
Vandalismus etwa an Museumsexponaten wird erwähnt.
Gerhardt, Rudolf / Pfeifer,
Hans-Wolfgang (Hrsg.):
Wer die Medien bewacht. Medien-freiheit und ihre Grenzen im
internationalen Vergleich, Frankfurt/M. 2000.
Pressefreiheit, Wahrheit und die Macht der Presse sind die Themen
des Sammelbandes.
Germann, Michael:
Gefahrenabwehr und Strafverfolgung im Internet, Berlin 2000, zugl. Diss.
jur., Univ. Erlangen-Nürnberg 1999.
Üppige (757 S.) und teure (DM 184.-) juristische Dissertation über
die rechtlichen Maßnahmen, mit denen Behörden Straftaten, Gefahren
oder Störungen im Internet ermitteln und bekämpfen können.
Inhaltliche Gründe und technische Mittel werden auch in Hinsicht auf
internationale Rechts- und Amtshilfe erläutert.
Godman, Peter:
Die geheime Inquisition. Aus den verbotenen Archiven des Vatikans, München
2001.
Der Autor erläutert das Indizierungsprocedere der Inquisition
bzw. Indexkongregation, die 1907 aufgelöst und dem Glaubenskongregat
zugeschlagen wurde. 1966 hob der Vati-kan die Rechtskraft der
Verbotsliste auf, wo Tausende "ketzerische" oder schlüpfrige
Werke (z.B. von Zola, Hugo, Balzac, Heine, Kant, Descartes, Voltaire,
Sartre...) standen.
Godwin, Mike:
Cyber Rights. Defending Free Speech in the Digital Age, New York 1998.
352 Seiten starkes Buch eines der ersten Anwälte, die sozusagen
im Cyberspace leben und arbeiten. Es behandelt Internet-Rechtsfragen
"surrounding free speech and the right to privacy",
beispielsweise, ob die 'analogen' Gesetze gegen Beleidigung und
Verleum-dung auch für elektronische Botschaften (e-mails usw.) gelten.
Graupmann, Jürgen:
Das Lexikon der Tabus, Bergisch Gladbach 1998.
Von "Abdecker" bis "Zoophilie" umreißt der
Autor allerlei Themen, die aus unter-schiedlichen Gründen gemeinhin
eher verschwiegen werden. Sexuelle Perversionen werden ebenso erwähnt
wie religiöse Tabus, Ungeziefer oder Körpersekrete. Na ja! Viel-leicht
haben sich einige Tabus doch zurecht in der Menschheitsgeschichte
durchgesetzt?
Grimm, Jürgen:
Fernsehgewalt. Zuwendungsattraktivität – Erregungsverläufe –
Sozialer Effekt, Opladen/Wiesbaden 1999.
Das empirische Mammutwerk (812 S.) kommt u.a. zum Ergebnis, daß
es keine mono-kausalen Erklärungen zwischen Mediengewalt und
sozialunverträglichen Effekten gibt.
Gruhler,
Alexander K. A.: Das
Ende der "totalen" Freiheit im Internet: Die Auswirk-ungen
inkriminierter Inhalte auf die Informationsgesellschaft, Marburg 1998.
Schmales, aber recht interessantes Buch über die internationalen
Eingriffsmethoden in den Cyberspace. Illustriert mit einigen grob
gerasterten Screenshots. Zahlreiche themen-relevante (leider z.T.
veraltete) Internet-Adressen im Anhang.
Gucht, Christiane:
Das Zensurverbot im Gefüge der grundrechtlichen Eingriffskautelen,
Frankfurt/M. u.a. 2000, zugl. Diss., Passau 2000.
Juristische Studie zum bekannten Thema, diesmal im Vergleich zu
Art. 19, Abs. 2 GG.
Henscheid, Eckhard / Henschel,
Gerhard: Jahrhundert
der Obszönität. Eine Bilanz, Berlin 2000.
Vermuteter oder tatsächlich als solche empfunderner
Schamlosigkeit in der deutschen Kultur gehen die bekannten Satiriker
nach. Da bei öffentlichen Obszönitäten auch der Ruf nach Eingriffen
laut wird, sei für das Thema Zensur auf dieses Buch hingewiesen.
Hepp, Michael
/ Otto,
Viktor (Hrsg.): "Soldaten sind Mörder". Dokumentation einer
Debatte 1931-1996, Berlin 1996.
Die Quellensammlung dokumentiert den jahrzehntelangen Streit
zwischen Meinungs-freiheit und Beleidigung/Ehrverletzung um die Äußerung
des berühmten Satirikers Kurt Tucholsky seit der Veröffentlichung in
der "Weltbühne" bis hin zur (geplanten) "Lex
Bundeswehr". Besonders spannend sind die wiedergegebenen
Strafprozesse und Urteile.
Herzog,
Marco: Rechtliche
Probleme einer Inhaltsbeschränkung im Internet, 2000
Hinden,
Michael von: Persönlichkeitsverletzungen
im Internet. Das anwendbare Recht, Tübingen 1999.
Wer seine Privatsphäre oder seine Ehre verletzt sieht, etwa wenn
er sich unfreiwillig mit der Verwendung seines Konterfeis für eine
Kampagne im Netz wiederfindet, muß dies nicht hinnehmen. Diese
juristische Dissertation (290 S., DM 84.-) plädiert weniger für ein
transnationales "Cyberlaw", als vielmehr für die Haftung der
einzelnen Staaten.
Holey, Jan Udo:
Die Akte Jan van Helsing. Eine Dokumentation über das Verbot zweier Bücher
im „freiesten Land deutscher Geschichte“, Fichtenau 1999.
Vom betroffenen Autor der verbotenen Bücher
„Geheimgesellschaften im 20. Jahr-hundert“ kommentierte Sammlung von
Prozeßakten und Meinungen sowie ein einfüh-render Kommentar zum
Problem von Meinungsfreiheit und Zensur an diesem Beispiel. Ein Urteil möge
sich jeder selbst dazu bilden. Viele Stellen –- vor allem Namen und im
Urteil inkriminierte Textpassagen und Formulierungen – wurden vom
Autor geschwärzt.
Hügel,
Hans-Otto (Hrsg.):
Populäre Kultur – Ein Handbuch, Stuttgart [in Vorbereitung].
Wir möchten auf dieses sich spannend anhörende Handbuch
hinweisen, das im J. B. Metzler Verlag erscheinen wird. Es stellt auf
rund 500 S. u.a. Konzepte, Grundbegriffe, Rezeptionsfiguren, Medien und
Themen der Populärkultur (auch zur Zensur) vor.
Jensen, Carl & Project
Censored: 20 Years
of Censored News, New York 1997.
Der Soziologe Prof. Dr. Carl Jensen gibt mit seiner Projektgruppe
seit 1976 das Jahr-buch "Censored – The news that didn't make the
news – and why" heraus (aktuell "Censored 2000"). Dort
sind vor allem politische Nachrichten und Stories dokumentiert, die aus
diversen Gründen in den Medien der Staaten unterdrückt wurden.
Jones, Derek (Ed.):
Censorship – an International Encyclopedia, [in Vorbereitung].
Herausgeber Derek Jones, Direktor der "International Summer
School on Censorship" der University of Cambridge, dürfte Garant für
die Qualität dieses Sammelbandes sein, der in nächster Zeit wohl bei
der Cambridge University Press/England erscheinen soll.
Jugendschutz und
Filtertechnologien im Internet.
Eine Untersuchung der Secorvo Security Consulting GmbH im Auftrag des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Tech-nologie – Referat Öffentlichkeitsarbeit,
BMWi -Dokumentation Nr. 472, Berlin 2000.
Den neuen Jugendschutzanforderungen im Zeitalter digitaler Unübersichtlichkeit
widmet sich diese lesenswerte Studie (Stand:August 1999). Neben der
Bewertung der getesteten technischen Kontrollmöglichkeiten durch
Kategoriensysteme, ratinggestützte Filterprogramme usw. wird auch kurz
die mediensoziologische Dimension erwähnt.
Kerekes, David und
Slater, David: See No Evil – Banned Films and Video Controversy,
Manchester/England 2000.
Spannendes und mit 416 S. umfangreiches Buch aus der englischen
"Headpress"-Werkstatt über die Videophobie in England. Dem
dortigen Zensurwahn sind seit den 1980er Jahren ähnlich viele Filme wie
in Deutschland zum Opfer gefallen.
Kiste Nyberg, Amy:
Seal of approval. The history of the comics code, Jackson/USA 1998
Die für den Druck überarbeitete US-Dissertation ist für den
Kulturhistoriker interes-sant, der sich mit der Entwicklung der
Comic-Repressalien seit Dr. Wertham beschäfti-gen möchte. Die Autorin
(Prof. an der Seton Hall University) erforscht u.a. die Gründe der
Aktionen gegen Comics durch einzelne (vor allem religiöse) Gruppen.
Klein,
Stefanie: Der
zivilrechtliche Schutz des einzelnen vor Persönlichkeitsrechts-verletzungen
durch die Sensationspresse, Diss. jur., hier Frankfurt/M. u.a. 2000.
Die Autorin untersucht die zivilrechtlichen Möglichkeiten gegen
skrupellose Bericht-erstattung der Yellow-Press. Einige Mittel sind
Widerrufsrecht, Unterlassungsanspruch, Schmerzensgeld, Schadenersatz und
Entschädigungsansprüche.
Kleinschmidt, Michael M.:
Jugendmedienschutz durch Medienkontrollinstitutionen am Beispiel der
Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), unveröffentl.
Dipl.-Arbeit (Kommunikationswissensch.) der Pädagogischen Hochschule
Freiburg i. Br., 2000.
Der Autor analysiert die Arbeitsmethoden, rechtlichen Grundlagen
und inhaltlichen Ansätze der FSK. Dabei spricht er sich für eine
Abkehr von der Bewahrpädagogik hin zu einer der europäischen
Harmonisierung entsprechenden, transparenten medienpädago-gischen
Funktion dieser durchaus als notwendig erachteten Institution aus.
Klewer, Detlef:
Der Splatterfilm Band 1 und 2, Hille 1997 und 1998.
Diese liebevoll gestalteten und mit zahlreichen S/W- und
Farbabbildungen ange-reicherten "Moviestar"-Bücher eines
langjährigen Filmfreaks führen in die Welt eines von Justiz und
Jugendschutz gehaßten, von vielen Fans aber geschätzten Subgenres.
Filmographien mit chronologischen Übersichten und subjektiven
Bewertungen zahl-reicher Splatterstreifen erhöhen den Nutzwert für den
geneigten Fan.
Knoll, Joachim H.:
Jugend, Jugendgefährdung, Jugendmedienschutz, Münster 1999.
Der emeritierte Pädagogikprofessor stellt in dieser Studie dem
rechtlichen Jugend-medienschutz das verstehende Nachvollziehen der
gesellschaftlichen Medienwelt als Lebenswelt zur Seite. Der Verfasser
beschreibt den Wertewandel und setzt auf eine libe-rale Selbstkontolle
der Medienanbieter als Ausdruck gesellschaftlicher Selbstregulation.
Ders. /
Monssen-Engberding, Elke (Hrsg.):
BRAVO, Sex und Zärtlichkeit. Medien-wissenschaftler und Medienmacher über
ein Stück Jugendkultur, Mönchengladbach 2000.
Mit (harmlosen) Covern illustrierte Aufsatzsammlung zur
auflagenstärksten Jugend-zeitschrift Deutschlands, die in ihrer
Geschichte schon des öfteren mit dem Jugendschutz konfligierte. Hier
besonders spannend sind die jeweiligen Indizierungsbegründungen.
Kolb, Anton (Hg.):
Cyberethik. Verantwortung in der digital vernetzten Welt, Sttgt.
1998.
Zwischen der Verharmlosung und der Verteufelung stellt der
Cyberspace für viele eine 'terra incognita' dar. Welche Moralethik im
Netz der Neuen Medien herrschen sollte, wird in mehr oder weniger
medienkompetenten philosophischen Beiträgen dargelegt.
Kühling,
Jürgen: Die
Kommunikationsfreiheit als europäisches Gemeinschaftsgrundrecht, Berlin
1999, zugl. Diss. jur., Bonn 1997/98 (584 S., DM 148.-).
Die Landkarte der Zensur.
Erzählungen, Reportagen und Essays für die Freiheit des Wortes aus Index
on Censorship, Hrsg.: Heinrich-Böll-Stiftung und die taz, Berlin
1998.
Der Band versammelt wichtige Artikel des englischen Magazins, das
seit über 25 Jahren Verletzungen der Meinungsfreiheit in aller Welt
dokumentiert und kommentiert. Die taz veröffentlichte bis vor kurzem
ausgewählte Beiträge in deutscher Übersetzung, die die Grundlage für
dieses von Uta Ruge eingeleiteten Buches bilden.
Die Legende der lebenden Toten.
Filmische Realität
des Grauens, Hille 1997.
In dem "Moviestar"-Buch widmen sich Detlef Klewer u.a.
dem von der Zensur bedroh-ten Zombie-Filmgenre. Mit Filmographie und
aussagekräfigem (Farb-)Bildmaterial.
Lessig,
Lawrence: Code and Other Laws of Cyberspace, New York 1999.
Der amerikanische Verfassungsrechtler Lessig stellt die These
auf, es könne nur durch staatliche Kontrolleingriffe und Übernahme der
Grundwerte in den Cyberspace ver-hindert werden, daß das Internet zu
einem Werkzeug totaler Kontrolle wird, da das Netz die besten
Voraussetzungen für eine Überwachung biete. Statt zur Zensur fordert
er aber vielmehr die Bürger auf, Verantwortung im Cyberspace zu übernehmen.
Liggeri,
Domenico: Mani di
forbice – La censura cinematografica in Italia, Edizioni Falsopiano,
Alessandria/Italien 1997.
Dieses italienische Buch, das mir Daniel Ortolan
freundlicherweise zur Verfügung stellte, befaßt sich auf 400 S. mit
der dortigen Filmzensur. Es stellt u.a. die gesetzlichen Grundlagen vor,
zeigt Szenenfotos einiger bekannter (und weniger bekannter) Fälle, und
enthält Listen mit Altersfreigaben von Filmen, die von 1982-96 in
Italien geprüft wurden.
Lipschultz,
Jeremy Harris: Free
Expression in the Age of the Internet: Social and Legal Issues,
Boulder/USA 2000.
Rechtliche, politische, historische, kommerzielle und soziale
Aspekte der 'neuen Frei-heit' im Internet schildert der Autor, ein
amerikanischer Professor.
Löffler,
Severin:
Mediendelikte im IPR und IZPR. Persönlichkeitsverletzungen durch Medien
im Spiegel des deutschen, französischen, schweizerischen und österreichischen
Rechts unter besonderer Berücksichtigung des Internets und des
Gegendarstellungs-anspruchs, Frankfurt/M. u.a. 2000, zugl. Diss. jur.
Die steigende Zahl von Medienunternehmen und die vereinfachte
Informations-verbreitung im Internet lassen auch die Persönlichkeitsrechtsverletzungen
ansteigen. Der Frage nach der Rechtsordnung geht diese juristische
Dissertation nach.
Macciacchini,
Sandro: Urheberrecht
und Meinungsfreiheit: untersucht am Gegenstand der Verwendung
urheberrechtlich geschützter Werke in der Berichterstattung der Medien,
Bern 2000, zugl. Diss., Zürich 2000 (242 S., DM 118.-).
Maier-Rabler,
Ursula et.al.: Netz
ohne Eigenschaften. Nationale und internationale Netz-kommunikation im
Spannungsfeld von Meinungsfreiheit, informationeller Selbst-bestimmung
und staatlicher Reglementierung, Salzburg 1995.
Medienkontrollinstitutionen
in Deutschland – Eine Übersicht,
hrsg. von der Bundes-arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz,
Neuwied 2000.
Übersicht der dt. Jugendschützer; mit Gesetzen,
Verhaltenskodices und Adressen.
Merz, Susanne:
Strafrechtlicher Ehrenschutz und Meinungsfreiheit, Frankfurt/M. u. a.
1998, zugl. Diss. jur., Heidelberg 1997.
Michalak-Etzold,
Magdalena:
Kontrollierte Kommunikation. Selbstzensur in der deutsch-en Literatur im
Dritten Reich und in den ersten Nachkriegsjahren, Diss., Magdeburg 2000.
Mynarek,
Hubertus: Die neue
Inquisition. Sektenjagd in Deutschland. Mentalität – Moti-vation –
Methoden kirchlicher und staatlicher Sektenbeauftragter, Marktheidenfeld
1999.
Der mitunter umstrittene Thesen vertretende Kirchenkritiker
schreibt auf 500 S. über moderne 'Hexenjagden' auf Andersgläubige, die
für staatliche und kirchliche Bedenken-träger eine öffentliche Gefährdung
darstellen. Obwohl der Vergleich mit den zahllosen Morden der histor.
Inquisition fragwürdig ist, räumt dieses Buch mit Vorurteilen auf.
Neumann-Klang,
Sybille: Das Recht
am eigenen Bild aus rechtsvergleichender Sicht, Frankfurt/M. u.a. 1999,
zugl. Diss. jur.
Der internationale Rechtsvergleich (Europa und USA) untersucht
das Spannungsfeld zwischen der Meinungs- und Informationsfreiheit und
dem Privatrecht am eigenen Bild.
New
Code Words for Censorship. Modern Labels for Curbs on the Press,
Editor: Marilyn J. Greene, published by The World Press Freedom
Committee, Reston/USA 2000.
Eine aufschlußreiche internationale Textsammlung, die sich mit
neuen, harmlos klingenden Bezeichnungen für Zensur befassen, z.B.
"Responsibilities to the Press", "Self-regulation",
"Code of Ethics", "Banning Hate Speech",
"Truthful news" usw.
Nordbruch, Claus:
Sind Gedanken noch frei? Zensur in Deutschland, München 1998.
Das Buch zeigt, daß gerade Rechtskonservative die
Meinungsfreiheit für sich bean-spruchen. Wer es mit der Redefreiheit
ernst meint, sollte auch solche Stimmen hören, die ihre Position
angesichts vieler Prozesse wegen und Verboten von rechtsideologischen
Schriften verständlich finden. Obschon nicht schlecht geschrieben,
stellt sich das Buch, dessen 2., (wenig) erweiterte Auflage 2001
erschien, als Mogelpackung heraus, z.B. wenn Kapitel mit Zitaten von
liberalen/linken Geistesgrößen eingeleitet werden. Mit kritischer
Distanz gelesen kann man dem 352 S.-Buch sonst vernachlässigte Aspekte
abgewinnen.
Ohmer,
Anja: Gefährliche Bücher?
Zeitgenössische Literatur im Spannungsfeld zwischen Kunst und Zensur,
Baden-Baden 2000, zugl. Diss., Tübingen 1999 (249 S., DM 89.-).
Ortolan,
Daniel: Medien und
Medienwirkung. Die modernen Kommunikationsmittel in der Reflektion, München
1999.
Der umtriebige Schweizer Medienforscher Daniel Ortolan legt mit
diesem Buch eine geistreiche Analyse der wichtigsten Massenmedien wie
Film und Internet vor. Bereichert wird das Werk u.a. um Aspekte der
Wirkung von Gewalt, der Eriehung zur Medienkom-petenz sowie um relevante
Ansätze der Rezeptions- und Gehirnforschung. Lesenswert!
O'Toole, Laurence:
Pornocopia. Porn, Sex, Technology and Desire, London 1998.
Die Geschichte vom Pornofilm zum Cyberspace ist das Thema dieses
leider nur mäßig originellen Buches, obwohl auch unterschiedliche
Zensureingriffe und eine Videographie der nach Meinung des Autors
'wichtigsten' Filme dieses Genres erwähnt werden.
Pieper, Werner (Hrsg.): Verfemt – Verbannt – Verboten. Musik & Zensur. Weltweit,
Löhrbach 1999.
Der auf globale Musikzensur ausgerichtete, interessante Reader
besteht zu großen Teilen aus der Übersetzung des "Index on
Censorship"-Heftes 6/1998, enthält aber auch kurze Einblicke in
die Zensur der deutschen Musikszene (Teilauflage mit CD).
Ders.
(Hrsg.): Musik &
Zensur in den diversen Deutschlands der letzten 500 Jahre [Verbannt –
verfemt – verboten II], Löhrbach
2001.
Das illustrierte 252seitige Buch füllt die Wissenslücke über
Geschichte und Aktualität von Musikzensur. Nicht nur 'Sex & Drugs
& Rock'n'Roll' waren den Zensoren gerne ein Dorn im Auge; auch
politische Aspekte z.B. in der DDR werden beleuchtet. Lesenswert!
Pinups, Pornos, Polit-Chaoten
– Jugendgefährdung in Online-Diensten. Ein
Ratgeber für Eltern, Lehrer und Sozialarbeiter. Hrsg.: Landestelle
Jugendschutz Niedersachsen, Hannover 1996 (Medienbüro Dirk Lehnhoff).
Der als Aufklärer intendierte Ratgeber für besorgte Erzieher
geriet vor allem wegen seines Adressenanhangs in die Kritik, da er von
Jugendlichen als Wegweiser zu frag-würdigen Online-Inhalten verwendet
werden könnte. Auch die dezidierte Haltung gegen neue Gesetze und eine
Internet-Zensur erregte vielerorts Unmut.
Platt, Charles:
Anarchy online – net sex/net crime, New York 1997.
Laut Cover schildert der "Wired magazine"-Autor
"the truth behind the hype". Das in zwei Hauptthemenkomplexe
geteilte Buch widmet sich im Kapitel 'Sex' der Entwicklung expliziter
Netzinhalte: Der Bogen reicht von "Real-life radicals, Cyberpunks
and Censors" "to control speech online". Das Kapitel
'Crime' reicht "From pirates to prosecutors" und handelt von
"Real-life lawbreakers on the electronic frontier".
Post,
Robert C. (Ed.):
Censorship and Silencing: Practices of Cultural Regulation, Los
Angeles/USA 1998.
Dieser Sammelband der Getty-Stiftung vereint Referate des
gleichnamigen Symposiums Ende 1995. In kulturhistorischen, politischen
und juristischen Texten werden Definitions-fragen um die Zensur
diskutiert und z.B. die "Auschwitz-Lüge" aus US-Sicht
thematisiert.
Prinz, Matthias / Peters, Butz:
Medienrecht. Die zivilrechtlichen Ansprüche, München 1999.
Die bekannten Prominenten-Anwälte haben aus dem reichen Schatz
ihrer Erfahrungen einen dickleibigen Wälzer zusammengestellt, der u.a.
zahlreiche Fälle wie die von Prinzessin Caroline von Monaco gegen
diverse Boulevard-Postillen wie "Gala" oder "Bunte"
schildert.
Protecting
Yourself Online: The Definitive Resource on Safety, Freedom and Privacy
in Cyberspace, Hrsg.:
Electronic Frontier Foundation, USA (Blue Ribbon Campaign).
Leider lag uns dieses US-Buch über Internetfreiheit nicht vor,
aber der Titel dürfte sprechend genug sein. Kontakt:
http://www.eff.org/ (Electronic Frontier Foundation).
Pruys,
Guido Marc: Die
Rhetorik der Filmsynchronisation. Wie ausländische Spielfilme in
Deutschland zensiert, verändert und gesehen werden, Tübingen 1997,
zugl. Diss. 1997.
Ausgehend von "Casablanca", dem wohl bekanntesten
Zensurfall durch manipulative Synchronisation, analysiert der Autor die
wenig erforschten Mechanismen und Absichten bei der'Eindeutschung' von
ausländischen Filmen.
Reinsdorf,
Clara und Paul (Hrsg.):
Zensur im Namen des Herrn. Zur Anatomie des Gotteslästerungsparagraphen,
Aschaffenburg 1997.
Über Jahrhunderte hatte die Institution Kirche maßgeblichen
Einfluß auf das gesell-schaftliche Leben. Welche zensorischen
Auswirkungen die religiös motivierte Zensur im heutigen Deutschland
noch hat, schildert dieser Sammelband anhand von fünf Texten, die sich
z.B. mit dem verbotenen Theaterstück "Das Maria-Syndrom"
beschäftigen. Viele Abbildungen vor allem aus dem Privatarchiv des
Mitautors Roland Seim illustrieren einige Eingriffe, die längst nicht
nur aufgrund des § 166 StGB vorgenommen werden.
Riedmann,
Sylvia / Flatz, Christian (Hrsg.):
Rassismus im virtuellen Raum, 1998.
Die Innsbrucker Politologen versammeln mehr oder weniger
themenzentrierte Aufsätze zur Problematik 'Meinungsfreiheit oder
Zensur' bei rechtsradikalen Web-Sites. Neben medienethischen
Betrachtungen zeigt der Dokumentarteil eine Auswahl relevanter Seiten.
Riley,
Gail Blasser:
Censorship. Facts on File, New York 1998.
In der Reihe "Library in a Book" bietet das umfassende
Buch (200 S.) eines Juristen einen Überblick der Eingriffe in das
"First Amendment" der US-Verfassung, das die Äußerungsfreiheit
garantieren soll. Neben den Gesetzen und der Zensur des geschrie-benen
Wortes werden auch Beispiele aus Kunst, Meinungsfreiheit und Neue Medien
beschrieben. Der zweite Teil beinhaltet u.a. eine 50seitige annotierte
Bibliographie amerikanischer Veröffentlichungen, die zu weiterer
Forschung anleitet und Adressen von (amerikanischen) Organisationen, die
sich mit der Medienfreiheit beschäftigen.
Ritz,
Dorothee:
Inhalteverantwortlichkeit von Online-Diensten. Strafbarkeit von
Online-Diensten in ihrer Funktion als Inhalteanbieter,
Online-Service-Provider und Internet-Access-Provider für die
Verbreitung von Pornographie im elektronischen Datennetz (Ein
Rechtsvergleich), Diss., hier Frankfurt/M. u.a. 1998.
Rechtswissenschaftliche Dissertation zu einem aktuellen Problem
moderner Kommuni-kationstechniken mit länderübergreifendem Vergleich.
Robertson QC, Geoffrey:
Freedom, the Individual and the Law, London 19937.
Das in den letzten dreißig Jahren immer wieder aktualisierte
Standardwerk der zivilen Freiheitsrechte befaßt sich u.a. mit Zensur,
Äußerungsfreiheiten und Filmregulationen.
Rohde, Franz:
Die Nachzensur in Art. 5 Abs. 1 Satz 3 GG. Ein Beitrag zu einem
einheitlichen Zensurverbot, Kiel 1997, zugl. Diss. jur. 1996, Univ.
Kiel.
Wie Titel und Entstehungsort (Lorenz-von-Stein-Institut für
Verwaltungswissenschaft an der Uni Kiel) bereits andeuten, ragt auch
diese juristische Doktorarbeit leider nicht aus der langen Reihe von ähnlichen
Arbeiten, die zudem nur sehr lückenhaft im schmalen
Literaturverzeichnis nachgewiesen werden, hervor. Wohl nur für Juristen
interessant.
Rückert, Corinna:
Pornographie von Frauen für Frauen. Eine kulturwissenschaftliche
Studie, Frankfurt/M. u.a. 2000, zugl. Diss. phil., Lüneburg (IfAM).
Diese mit "magna cum laude" bewertete
kulturwissenschaftliche Dissertation unter-sucht auf dem Hintergrund der
feministischen Anti-Porno-Debatte u.a. die spezifischen Formen und
Inhalte weiblicher Pornographie in Abgrenzung zum Mainstream.
Rühl,
Ulli F. H.:
Tatsachen – Interpretationen – Wertungen. Grundfragen einer
anwendungsorientierten Grundrechtsdogmatik der Meinungsfreiheit,
Baden-Baden 1998.
Ausführliche (434 S.) juristische Habilitationsschrift von 1997,
die sich vorwiegend mit dem Persönlichkeitsrecht befaßt. Leider mit
nur schmaler Bibliographie.
Russell,
Diana E. H.: Against
Pornography: The Evidence of Harm, Berkeley/USA 1993.
Die Soziologieprofessorin zeigt anhand einschlägiger Beispiele
aus Sex-Magazinen wie "Hustler" die Erscheinungsformen von
Pornographie von frivolen Cartoons bis zu
ge-walthaltigen/frauenverachtenden Hard-Core-Pornos. In Anlehnung an die
durchaus um-strittenen Thesen von MacKinnon/Dworkin sind Pornos für sie
eine Art Vergewaltigung (insb. des gesellschaftlichen Frauenbildes), die
auch zu realem Mißbrauch führen kann.
Schnurrer,
Achim (Hrsg.):
Comic: Zensiert 1, Sonneberg 1996.
Das zum Internationalen Comic-Salon Erlangen unter dem Eindruck
der ersten mas-siven Beschlagnahmen gegen den Alpha Comic Verlag
entstandene Buch schildert die oft skurrilen zensorischen Eingriffe
gegen die "Neunte Kunst". Schwarze Balken, Retuschen,
Indizierungen und Beschlagnahmen zeugen vom Kampf der Kunstfreiheit
gegen Zensur, die meist unter dem Etikett des Jugendschutzes auftritt.
Die Texte von Achim Schnurrer, Josef Spiegel, Roland Seim und Dieter
Hiebing sind reich illustriert. Der geplante Fort-setzungsteil verzögert
sich u.a. wegen der zeitintensiven, teuren Prozesse gegen den Verlag vor
dem LG Meiningen bzw. der Revision vor dem Bundesgerichtshof.
Scholz,
Rainer:
Jugendschutz. Gesetz zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit –
Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften und
Medieninhalte und andere Vorschriften mit Erläuterungen, 3. Aufl., München
1999.
Berücksichtigt auch die Folgen des
"Multimediagesetzes" (IuKDG) für Datennetze.
Schorb, Bernd / Theunert, Helga:
Jugendmedienschutz im digitalen Fernsehen. Wie er technisch funktioniert
und wie Familien damit umgehen, Berlin 1998.
Der Frage der technischen Sperrung oder Filterung von derzeitigen
und zukünftigen Digitalprogrammen durch TV-Veranstalter und Eltern geht
diese knappe Studie nach.
Schreibauer, Marcus:
Das Pornographieverbot des § 184 StGB: Grundlagen,
Tatbe-standsprobleme, Reformvorschläge, Regensburg 1999.
Der Autor zeigt den strafrechtlichen Pornographievorwurf in den
Medien auf, schildert die einschlägige Rechtsprechung und fordert
verschärfte Alterskontrollen und bessere Bekämpfung von jugendgefährdenden
Inhalte vor allem im Internet. Neben juristischen Fragen geht er der
Wirkungsforschung nach und tangiert das Problem der Kunstfreiheit.
Schröder, Georg:
Das Recht auf freie Meinungsäußerung im Internet: ein Vergleich der
Rechtslage in der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten
von Amerika, Aachen 1999, zugl. Diss. jur., Regensburg 1999 (199 S., DM
79.-).
Schütz,
Walter J. (Hrsg.):
Medienpolitik. Dokumentation der Kommunikationspolitik in der
Bundesrepublik Deutschland von 1945-1990, Konstanz 1999.
Das dickleibige (734 S.) Nachschlagewerk zu über 1700 Vorgängen
der deutschen Medienpolitik dokumentiert anhand von Gesetzen, Urteilen,
Verträgen sowie Artikeln über technische Neuerungen, daß Äußerungsfreiheit
täglich neu errungen werden muß.
Schulze Kalthoff, Christian:
Zensur – nein danke! Jugendmedienschutzpolitik in der Bundesrepublik
Deutschland, Erlangen-Nürnberg: Friedrich-Alexander Universität 1997.
Diese unveröffentlichte Magisterarbeit widmet sich einmal mehr
der Bundesprüfstelle und der FSK, stellt ihre Aufgaben und Arbeitsweise
vor und analysiert einige Fälle.
Schwab, Jürgen:
Die Meinungsdiktatur. Wie 'demokratische' Zensoren die Freiheit
beschneiden, Coburg 1997 (338 S.).
Schwerfel,
Heinz Peter:
Kunst-Skandale. Über Tabu und Skandal, Verdammung und Verehrung zeitgenössischer
Kunst, Köln 2000.
Welches Irritationspotential Kunst hat, zeigt Schwerfel auf 191
S. für DM 49,90. Neben illustren Provokateuren wie den Wiener
Aktionisten, Jeff Koons und Robert Mapple-thorpe stellt er auch
unbekanntere und die Reaktionen der Obrig-/Öffentlichkeit vor.
See No Evil – Banned Films
and Video Controversy,
Stockport/England 2000.
Die Macher des englischen Magazins "Headpress" widmen
sich den umstrittenen direkten Zusammenhängen zwischen Videogewalt und
realer Violenz. Viele der in Eng-land als "Video Nasties"
verbotenen Filme, Fälle und Interviews werden vorgestellt.
Seim, Roland / Spiegel, Josef
(Hrsg.): "Ab
18" – zensiert, diskutiert, unterschlagen. Beispiele aus der
Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. "Der dritte
Grad", 3., verbesserte Auflage, Münster 2000 [Nachdruck der
Auflage von 1995 bzw. 1998].
Der aus einem Projektseminar am Instiut für Soziologie der
Universität Münster her-vorgegangene Sammelband gewährt einen
umfassenden Einblick in die deutsche Zensur-praxis. Neben Texten der
Herausgeber finden sich auch Stellungnahmen betroffener
Kulturschaffender wie Klaus Staeck, Jörg Buttgereit, "Die
Angefahrenen Schulkinder" und Ernst Volland. Abbildungen,
Faksimiles von relevanten Medien und Gerichts-urteilen, Verbotslisten
sowie Adressen runden "Ab 18" – Band 1 ab.
Seim, Roland:
Zwischen Medienfreiheit und Zensureingriffen. Eine medien- und
rechts-soziologische Untersuchung zensorischer Einflußnahmen auf
bundesdeutsche Populär-kultur, Münster 1997, zugl. Diss. phil. 1997,
Univ. Münster [korr. Nachdruck 1998].
Die von Prof. Dr. Horst Herrmann betreute Studie des
Kunsthistorikers und Soziologen Seim befaßt sich mit den vielfältigen
Zensurmechanismen der hiesigen Kulturlandschaft. Sowohl die
Zensurgeschichte, die rechtlichen Grundlagen und Institutionen als auch
die Faszination der Verbote werden geschildert. Der zweite Teil führt
nach Genres geglie-dert zahlreiche Beispielfälle auf, zu denen einige
Abb. im Anhang reproduziert sind. Die fast 100seitige Bibliographie dürfte
die umfangreichste zum Thema darstellen.
Senn, Mischa Charles:
Satire und Persönlichkeitsschutz: zur rechtlichen Beurteilung
sati-rischer Äusserungen auf der Grundlage der Literatur- und
Rezeptionsforschung, Bern 1998, zugl. Diss., Zürich (208 S., DM 85.-).
Shattuck,
Roger: Forbidden
Knowledge: From Prometheus to Pornography, New York 1996 (deutsch: Tabu.
Eine Kulturgeschichte des verbotenen Wissens, München 2000).
Der Bostoner Literaturprofessor arbeitet anhand historischer Fälle
sechs Kategorien der Unterdrückung von Wissen heraus, z.B. religiöse,
moralische oder autoritäre Ver-botsgründe von Inhalten, die als unerwünscht,
gefährlich, destruktiv oder 'delikat' ein-gestuft wurden. In manchmal
fragwürdigen Thesen spricht sich der Autor gegen ein Zuviel an Neugier
(z.B. in der Pornographie als Gefahr für die öffentliche Sicherheit),
aber auch für Normen und Tabus gerade in der Wissenschaft aus.
Shaw, Collin:
Deciding What We Watch: Taste, Decency, and the Media Ethics in the UK
and the USA, Oxford/England 1999.
Der Autor geht der Frage nach "regulation" und
"self-scrutiny" in den englischen und amerikanischen
Massenmedien nach. Die veränderlichen gesetzlichen, moralischen und
kulturellen Standards werden historisch eingebettet geschildert.
Sieber, Ulrich:
Kinderpornographie, Jugendschutz und Providerverantwortlichkeit im
Internet. Eine strafrechtsvergleichende Untersuchung, Mönchengladbach
1999.
Die fast 450 Seiten umfangreiche, vom Bundesministerium für
Justiz herausgegebene Studie, untersucht die internationalen
Strafrechtsmöglichkeiten gegen illegale Internet-Inhalte. Zahlreiche
originalsprachliche Vorschriften werden zitiert und interpretiert.
Ders.:
Verantwortlichkeit im Internet. Technische Kontrollmöglichkeiten und
multimedia-rechtliche Regelungen, München 1999.
Skinheads
und Rechtsextremismus.
Instrumentalisierung einer jugendlichen Subkultur, Hrsg.:
Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 19992.
Das von der Abt. Verfassungsschutz veröffentlichte illustrierte
Heft (100 S.) warnt im Impressum: "Einige der abgedruckten
Liedtexte sind jugendgefährdend bzw. wurden durch die Bundesprüfstelle
[...] indiziert. Sie dürfen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren
daher nicht isoliert von dieser Broschüre zugänglich gemacht
werden."
Stark,
Jürgen: No Sex: Die
neue Prüderie in Deutschland. Moralapostel und Lustfeinde auf dem
Vormarsch, Reinbek 1996.
Populärwissenschaftlich salopp geschriebenes Buch unter
Einbeziehung der Spezifika der hamburgerischen Amüsierrmeile.
Steiner, Wilfried (Hrsg.): |