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Einleitung
Eigentlich findet in der
Bundesrepublik Deutschland keine Zensur statt. So ist es in Artikel 5 des Grundgesetzes
verankert. Das dieser Bestandteil der freiheitlich demokratischen Grundordnung in
Deutschland in Teilen beschnitten wird, ist allgemein bekannt und wird genauso als Teil
der gesellschaftlichen Normalität empfunden. Dafür gibt es drei große Argumente:
Erstens den Jugendschutz und zweitens die Wahrung des Persönlichkeitsrechts und drittens
den Schutz der Demokratie und seiner Verfassung selbst. Verschiedene Gremien,
Institutionen und Organisationen, wie beispielsweise die Bundesprüfstelle für
jugendgefährdende Schriften (BFjS) sorgen für besagten Schutz. Die Grundsätze der
Arbeit dieser Gremien entsprechen dem allgemeinen sozialen Normen- und Wertekonsens. Es
soll und darf keine Diskussion darüber geben, dass die Persönlichkeitsrechte des
Einzelnen geschützt bleiben und Pornographie, so wie extreme oder undifferenzierte
Gewaltdarstellungen Kindern und Heranwachsenden vorenthalten bleiben müssen. Das selbe
gilt für natürlich für Straftatbestände wie etwa Kinderpornographie. Dies ist
besonders nachvollziehbar wenn es über audiovisuelle oder Printmedien geht. Selbst die
Anhänger von und Fans devianter Medieninhalte wie extremer Horrorfilme oder
normaler Pornographie" sind damit einverstanden, dass diese Produkte nicht frei
erhältlich sind. Die Diskussion entbrennt erst dann richtig, wenn es z.B. um das
Komplettverbot einzelner Medienangebote geht. Denn dabei fühlt sich der mündige
Konsument in seiner Entscheidungsfreiheit eingeschränkt.
Die moderne demokratische
Gesellschaft wendet sich also nicht gegen die Zensur im ganzen, sondern hat sie in Teilen
als eine Art sozialethische Schutzmaßnahme in ihr System integriert. Die Frage lautet
heute also nicht mehr, darf es eine Zensur in Medien geben, sondern Wo fängt der
sozialethische Schutz an und wo hört die individuelle Freiheit auf. Diese Frage wird
besonders interessant und schwierig, wenn man sich Musik als Medium in diesem
Spannungsfeld der Sozialethik betrachtet. Musik als solche bietet keinen Anlass zur Zensur
oder zum Verbot, denn eine Komposition verschiedener Klänge oder das Benutzen
verschiedener Instrumente kann beim Hörer entweder mehr oder weniger Wohlgefallen oder
auch das absolute Gegenteil davon bewirken. Das macht klar, dass die nicht die Musik
selbst, sondern die mit ihr transportierten Inhalte allenfalls Zensur- oder
Verbotsrelevant werden können. Das leitet direkt über zur ersten zentralen Frage:
1. Wo liegt das
sozialethische Gefahrenpotential von populärkultureller Musik?
Was sind eventuelle
zensur- bzw. verbotsrelevanten Bestandteile - oder anders Formuliert: wo wird heute der
rote Korekurstift der Zensoren angesetzt?
Der deviante Inhalt besteht,
wie auch bei allen anderen Medien in Wort und Bild. Für Musik heißt das, es geht um die
textlichen Inhalte der Kompositionen und um die graphische Ausgestaltung der Tonträger
(das sogenannte Artwork). Des weiteren dreht es sich im allgemeinen um Musik mit
vorwiegend jugendlicher oder jung gebliebener" Zielgruppe. Die Indizierungen
und Totalverbote betreffen im allgemeinen besonders Rap, Punk, Heavy Metal und den
sogenannten Rechtsrock. Bei eindeutigen Coverabbildungen und Texten, die Pornographie,
undifferenzierte Gewaltdarstellungen, beides in Kombination, persönliche Diffamierungen
oder extremste politische Äußerungen enthalten, kann es zur Indizierung kommen. Das
bedeutet die Entnahme des jeweiligen Produktes aus dem gewöhnlichen Marktkreislauf und
des Werbeverbotes für selbiges Produkt um es Personen unter 18 nicht mehr zugänglich zu
machen. Aus den selben Gründen kann auch ein Totalverbot ergehen. Dies betrifft rein
Mengenmäßig vor allem den Rechtsrock der Nazi-Skinbands für Volksverhetzung,
Verfälschung historischer Tatsachen, wie etwa das Propagieren der Ausschwitzlüge oder
das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbolik.
Alle von Indizierung
betroffenen Musikstile vermitteln ihren Hörern ein spezielles Image, das stellenweise mit
der Zensur aneckt. Der Rap als Kind der schwarzen Subkultur der Slums der U.S.A. ist
ursprünglich ein Ventil um der Wut über die sozialen Mißstände der schwarzen
Minderheit dort eine Stimme zu verleihen. Er spricht die oft vulgäre Sprache der Straße
und wird in erster Linie wegen sexueller Freizügigkeiten angegangen. Punk hingegen, aus
dem Unmut und der Zukunftsangst der britischen Arbeiterkinder der 70ger Jahre entstanden,
propagiert teilweise Gewalt und Terror von Links gegen das kapitalistische Establishment
und die als faschistoid empfundene Staatsgewalt. Als bestes deutsches Beispiel kann hier
Polizei SA SS" und Bullenschweine" von der Band Slime"
genannt werden. Der Heavy Metal bediente sich in seiner Frühphase mit Pionieren wie
Black Sabbath", Led Zepplin" oder Judas Priest" schon mit
Okkultismus und Blasphemie. Auch hier ging es gegen das Establishment, jedoch eher um die
gesellschaftliche Doppelmoral, deren Ursprung in der Kirche gesehen wurde. Im Laufe der
Zeit kamen Gewaltverherrlichung und Sexismusvorwürfe noch hinzu. Der klassische Heavy
Metal erhitzte vorwiegend wegen Sexismus die Gemüter der Moralwächter. Bands wie
W.A.S.P. mit Platten wie F*** Like A Beast" trieben dies auf die Spitze. Heute
haben Bands wie Marilyn Manson" diesen Platz eingenommen. Der härtere Speed
und Thrash Metal mit Vertretern wie Metallica, Anthrax, Overkill, Sacred Reich oder
Medadeth befassten sich ab ca. 1985 eher mit Sozialkritik, die vor allem den Kalten Krieg
behandelte. Der Death Metal und diverse extreme Abspaltungen, die später näher erwähnt
werden sollen, thematisierten seit ca. 1989 wiederum eher die Horrorvisionen extremer
Videos oder verschiedener Horrorautoren wie Edgar Allen Poe, H.P. Lovecraft oder auch
Clive Barker. In Kapitel 2 wird es ausführlich um die US Death Metal Band Cannibal
Corpse", einen der Marktführer dieses Genres gehen. Erstmals 1992 fand der
Okkultismus früher Tage durch den Black Metal eine Renaissance in Form eines extremen
Antichristentums. Zumeist kann hier aber von provokativer Effekthascherei gesprochen
werden. Als Urheber gelten hier unter anderem Bands wie in den frühen Achtzigern
Venom" mit Titeln wie At War With Satan" Celtic Frost",
Bathory" sowie ab 1991 Mayhem", oder Dark Throne".
Der schon erwähnte
Rechtsrock wurzelt in der ursprünglich unpolitischen Oi- und Skinhead Bewegung der
britischen Arbeiterjugend der späten siebziger Jahre. Speziell nach dem Mauerfall 1990
erlebte er in ganz Deutschland einen enormen Aufschwung. Seit rund acht Jahren wird diese
Szene verstärkt vom Verfassungsschutz observiert. Das hier in der Regel nicht indiziert
sondern direkt verboten wird, liegt an den schon erwähnten verfassungsfeindlichen
Inhalten, mit denen sich die Bands direkt strafbar machen.
2. Das Für und Wider der
Zensur in der Praxis an verschiedenen Beispiele
2.1 Beschlagnahmeaktionen
bei Plattenfirmen
2.1.1 Der Fall Skuld
Releases"
Nun nach einem ersten
Einblick in aktuelle jugendkulturelle musikalische Strömungen mit Hang zur eventuell
zensurrelevanten Devianz sollen verschiedene Beispiele konkreter Fälle verdeutlichen,
dass es einerseits schwer fällt, die Zensur bloß als archaisches Überbleibsel
undemokratischer Sozialstrukturen zu verteufeln. Andererseits erscheint es auch
unmöglich, die Zensur als quasi heilendes Instrument der aufgeklärten Demokratie zur
Bekämpfung seiner devianten Auswüchse zu betrachten. Letzteres machen folgende Fälle
deutlich:
Im März 2000 fällt dem Zoll
am Frankfurter Flughafen eine Tonträgerlieferung des amerikanischen Punk-Versands
Blackend Distrtibution" an das deutsche Kleinstlabel Skuld Releases"
in die Hände. Dies wird an die Zollfahndung weitwergeleitet. Grund: Auf dem Cover der
7inch EP der schwedischen Punkband DOOM" mit dem Titel Police
Bastards" ist ein englischer Polizist, ein Bobby", mit Hakenkreuz anstelle
des Polizeiabzeichens auf dem Helm abgebildet. Es wird wegen Verwendung
verfassungsfeindlicher Symbole ermittelt. (Abb.1 einfügen) Beide Firmen
rechnen sich eindeutig zum politisch linken Spektrum und der Punkszene. Neben dieser
Verwendung des Hakenkreuzes in deutlich antifaschistischem Zusammenhang finden sich auch
viele Plattencover, die zerschlagene Hakenkreuze in Verbindung mit antifaschistischen
Statements im Artwork verwenden. Neben dem Hauptvorwurf wird den Betroffenen des weiteren
ein Verstoß gegen das Markenschutzgesetz zur Last gelegt, weil ein beschlagnahmter
Tonträger der US Punkband Armistance" Figuren auf dem Cover verwendet, die an
die Disneyfiguren des Cartoons Winnie Pooh" angelehnt sein sollen. (Abb.2
einfügen) Noch am selben Vormittag folgt eine Durchsuchungsaktion in den Büro-
und Privaträumen des Labelinhabers. Das Verhalten, der Fahnder(innen) gegenüber dem
Inhaber der Firma, sowie seiner Lebensgefährtin bei der Aktion wird als
schroff" und unhöflich" empfunden wobei man auf Fragen und
Einwände der beiden im Bezug auf ihre Rechte zunächst nicht eingeht. Ab dem
Moment wo sie merkten, dass wir mit Paragraphen nicht ganz unbedarft sind
hatte ich den Eindruck, dass sie etwas vorsichtiger und freundlicher zu Werke
gingen" .
Widerrechtlich konfiszieren
die Beamten Tonträger aus Privatbesitz. Bei der Durchsuchung meines Zimmers
stellten sie [die Beamten] diverse Platten aus meiner Privatsammlung sicher [
]trotz
meines mehrfachen Hinweises, dass sie nicht berechtigt sind, Einzelstücke aus meinem
Privatbesitz sicherzustellen." Der materielle Gesamtschaden der Firma beläuft sich
nach eigenen Angaben auf 5870.50 DM. (Abb.3 einfügen)
Über dies war der subjektive
Eindruck der Beschuldigten, es gehe nicht um wirklich um den Tatbestand der Verwendung
verfassungsfeindlicher Symbole an sich, sondern um einen Präventivschlag, der über
Organisation und Vernetzung des Labels im linkspolitisch engagierten Musikbusiness.
Auffällig insgesamt war, dass von Beamtenseite mehrfach betont wurde, dass sie
darüber bewusst sind, dass es nicht gegen rechts gehe.[...] Auch konnte ich
mich nicht des Eindrucks erwehren, dass die ganze Aktion hauptsächlich darauf abzielte,
mehr über mein Business, meine Kontakte usw. zu erhalten"
2.1.2 Der Fall
Morbid Records"
Vor ungefähr 5 Jahren,
um 1995 wird das ostdeutsche Death Grind Label Morbid Rec." von einer
Durchsuchungsaktion in den Büroräumen, überrascht. Auch hier werden die Privaträume
parallel durchsucht. Die Beamten wollen den gesamten Bestand, mehre tausend CD s
konfiszieren. Der Vorwurf lautet Vertrieb von Tonträgern und Handelsartikeln mit
sozialethisch desorientierender Gewalt beziehungsweise Pornographie zum Inhalt. Eine
derartige Großaktion hätte die Firma eigenen Angaben zu Folge in den Konkurs getrieben.
Allerdings waren die Vertriebsbedingungen des Labels nicht zu beanstanden, da man sich
strikt an die Vorgaben des Jugendschutz hält. Morbid vertreibt nur Sachen, die auch
in der Videothek oder in Sexshops erhältlich sind" Die Beschlagnahmeaktion endete in
diesem Fall mit einem Kompromiss, mit dem der Staatsanwalt sein Entgegenkommen
signalisierte [
]der Staatsanwalt [...] ging auf unseren Vorschlag ein, eine
Bestandsliste von unserem PC auszudrucken und jeweils ein Exemplar mitzunehmen"
Beanstandet und wirklich geprüft wurde jedoch wenig. Der Witz an der Sache ist
dieser, nach circa einem Jahr kam das [Zeug] zurück und teilweise extreme
CDs, welche eingeschweißt waren wurden nicht geöffnet"
2.2 Einzelne Bands und Zensur
2.2.1 Christa Jenal gegen
Cannibal Corpse
Christa Jenal, eine
Gymnasiallehrerin für Englisch und Sozialkunde in Südwestdeutschland wird 1994 über das
Szenemagazin Rock Hard" auf die US Death Metal Band Cannibal Corpse und ihre
akuelle CD The Bleeding" aufmerksam. Sie lässt sich den Tonträger der Band
per Postversand ins Haus kommen und ist besonders von dem schon 1991 wegen des Artworks
indizierten Tonträgers Butchered At Birth" entsetzt. Das führt noch im selben
Jahr zum Totalverbot der Platte. Gründe: [
] die auf dem Tonträger
aufgezeichneten Liedertexte [
] schildern eine Vielzahl grausamer und brutaler
Tötungsszenen, durch die [versucht wird], die Anziehungskraft des Hörers auf Musik und
Text zu gewinnen.[
] Die einzelnem Liedertexte [enthalten] in grober und
reißerischer Form die Wiedergabe des Geschlechtsverkehr[s] [
] mit den
währenddessen oder danach gefolterten, erschlagenen oder sonst grausam zu Tode gebrachten
Opfern. [Die Texte] verharren in der schwelgerischen Darstellung von grausamen Folter- und
Mordszenen" Im folgenden Jahr 1995 wird alles bis dahin erschienene Material der Band
bis auf The Bleeding" Die LP Eaten Back To Life"(1990 erschienen),
Hammer Smashed Face" (1992 erschienen) und Tomb Of The Mutilated"
(1993 erschienen) Von dem 94ger Album werden die Cover durch die Plattenfirma
entschärft" und die Texte nicht mehr im Beiheft abgedruckt. Das reicht der
Lehrerin allerdings nicht, sie besucht ein Konzert der Band und stellt fest, dass einzelne
Songs der indizierten Platten immer noch im Live-Programm enthalten sind. Sie erwirkt
direkt bei den einzelnen Veranstaltern ein Verbot für die Lieder Hammer Smashed
Face"(= Mit dem Hammer eingeschlagenes Gesicht) Entails Ripped From A
Virigins Cunt" (=Eingeweide, die aus der Fotze einer Jungfrau gerissen wurden)
und Meat Hook Sodomy" (=Sodomie am Fleischerhaken). Die Band reagiert und lenkt
vorläufig ein. Allerdings nur zum Schein: Basser Alex Webster gibt in einem Interview mit
dem Rock Hard an, man umgehe das Verbot indem man auf Ansagen vor den Liedern verzichte.
Offensichtlich hat der Amerikaner zum Zeitpunkt seiner Äußerungen den Ernst und Eifer
von Frau Jenal unterschätzt, denn die stellt Strafanzeige gegen Herrn Webster. Dann
erwirkt sie, wiederum bei den Konzertveranstaltern direkt ein Auftrittsverbot für eine
1995 stattfindende Europatour der Band in Stuttgart, sowie eine FSK Freigabe ab 18 Jahren
für die Auftrittsorte München und Essen. Frau Jenal selbst: Langfristig ist es
jedoch so, dass Cannibal Corpse mit dem Scheiß, den sie über die Jahre fabriziert haben,
keine Tournee mehr auf die Beine kriegen. Das werde ich mit Sicherheit verhindern."
Seither verzichtet die Band auf Verbotumgehungen in jeglicher Form. Um einer Indizierung
zu entgehen praktiziert die Firma seit 1995 mit der LP Vile" eine
Doppelstrategie und lässt für Deutschland ein spezielles Cover anfertigen. Ein
Labelsprecher von Metal Blade Records Europe" dem Label von Cannibal Corpse
dazu: Im europäischen Ausland gab es mit dem Layout nie Probleme, nur in
Deutschland. In Süd Korea müssen die Texte in die Landessprache übersetzt und einer
staatlichen Kommission zur Prüfung vorgelegt werden. Da sind mal zwei Mitarbeiter des
dortigen Vertriebs, die eine Best Of erstellt haben wegen der Fälschung einzelner Texte
in den Knast gewandert". Frau Jenal führt jedoch nicht bloß etwas, wie eine private
Fehde mit den US Death Metallern. Sie sieht ihre ethische Nebentätigkeit als
demokratische Pflicht" und zieht auch gegen Gruppen wie Rammstein"
(Die Live-Show von denen ist wirklich gigantisch und perfekt gemacht. Wie ein
Aufmarsch. So stelle ich mir die Inszenierungen der Nazis vor. Mein Hauptkritikpunkt sind
jedoch Texte wie 'Bück dich' und das mit dem Vater und der Tochter [gemeint ist 'Tier'
]Das sind Scheißtexte ohne Distanz.") und Marilyn Manson" (Ich habe
jetzt auch gegen Bertelsmann wegen des Vertriebs von Marilyn Manson-Platten Strafanzeige
gestellt. Diese Tonträger sind nach meinen Wertmaßstäben faschistisch. Sie enthalten
menschenverachtende Fotos und Texte, und dazu kommt noch das Bühnenspektakel.")
3. Beispiele für zensierte und indizierte
Cover
3.1 Cannibal Corpse
Unter anderem Frau Jenals unermüdlicher
Aktivität für Jugendschutz, Ethik und Moral in Sachen Heavy Metal ab 1994 hat ab 1994
nicht unwesentlich dazu Beigetragen das einzelne Cover verboten, oder aber indiziert und
damit zensiert wurden:
Cannibal Corpse Bloodthirst (deutsche
Version) und internationale Version

Cannibal Corpse Gallery Of Suicide (deutsch)
und internationale Version

3.2 Pungent Stench
3.3 Cancer
4. Reaktion der Plattenindustrie:Selbstzensur
von Covers
Wenn ein Tonträger für Inhalt oder Layout
oder beides weder beim Zoll noch bei einem Jugendamt auffällig wird, so gibt es noch eine
dritte diesen beiden noch vorgeschaltete Instanz. Das sind die Vertriebe und
Warenmarktketten, die sich weigern können einzelne Tonträger in ihr Sortiment
aufzunehmen. In der Regel werden diesen Covers schwarze Einlegblätter mit dem Bandlogo
oder ähnlich einfache Ersatzbilder vorgeschoben um den Vertrieb und die Werbung für die
jeweiligen Produkte nicht zu gefährden. Hierzu einige extreme Beispiele aus der oben
erwähnten Death Grind Szene

Deaden Hymns Of The Sick" Impaled
"The Dead Shall Dead Remain" Devournment "Molesting The Beheadead"

Malignancy "Intrauterine Cannibalism"
Rotting "Crushed" Mortician "Chainsaw Dismemberment"
5. Fazit: Wo liegen denn nun die Maßstäbe?
Zwischen Gewalt, Pornographie, Kunst, Meinungsfreiheit und
Persönlichkeitsrecht
Ist die Zensurpraxis so wie
sie ist in Ordnung? Das ist ein zweischneidiges Schwert. Bewirkt Zensur, wenn sie zum
Schutz der Jugend durchgeführt wird wirklich immer den gewünschten Effekt? Klar ist,
dass eine (Jugend)verbot vieles erst interessant werden lässt. Berühmtestes Beispiel
für Deutschland selbst ist wohl die Punk Band Die Ärzte" Die Indizierung von
Platten wegen Titel, wie Geschwisterliebe", Claudia" oder
Schlaflied" haben der (ohnehin sehr erfolgreichen Band) im Endeffekt einen
hohen Imagegewinn und Kultstatus bei ihrer Anhängerschaft und darüber hinaus beschert.
Totalverbote, wie etwa das der derben Satire I Wonna Make Love To Steffi Graf"
der Angefahrenen Schulkinder" haben diese Band erst ins Licht der
Öffentlichkeit gebracht. Es gab umfassende Presseberichterstattung zu dem Fall, welcher
der Band 1992 eine Schmerzensgeldzahlung und Peter Graf weitere Imageeinbußen
einbrachten. In dem Lied wird er mit dem Vorwurf des Kindesmissbrauchs konfrontiert Auch
hier ist der erzielte Effekt fraglich, denn 60.000 DM entsprach zu diesem Zeitpunkt einem
minimalen Preisgeld der Tennisspielerin. Der Effekt für Peter Graf, der sich durch seine
Rechtfertigung in diesem Falle erst in den Verdacht gebracht hatte, ist langfristig
gesehen wahrscheinlich schlimmer als die Geldstrafe für die Band. In diesem Fall ist
zumindest der Klagegrund, der Schutz des Persönlichkeitsrechts nachvollziehbar. Anders
sieht es da bei dem Indizierungsbeschluss zur Schalplatte Legalize It" von
Peter Tosh aus. Dieses Statement zur Legalisierung von Marihuana wurde 1990 vornehmlich
aus Gründen der Verharmlosung von Drogenkonsum indiziert. Vor dem Hintergrund heutiger
Drogenpolitik in Deutschland und der gestiegenen gesellschaftlichen Akzeptanz von Cannabis
erscheint dies fast lächerlich. Dabei wird vor allem eine zweite große Schwäche der
Praxis der BPjS deutlich. Was einmal indiziert wird bleibt es erst mal auf lange Sicht.
Eine Indizierung kann nicht so ohne weiteres aufgehoben werden Indizierungen sind
Verwaltungsakte." Dem Wandel des Zeitgeistes und der Idee, des aufgeklärten Schutzes
der Jugend vor sozialethischer Desorientierung käme eine eigenständige Überprüfung und
Überarbeitung der Liste durch die Bundesprüfstelle doch näher. Es gibt allerdings auch
noch ein weiteres etwas allgemeineres Problem: Wo liegen die Grenzen, wo hört Satire,
Humor, Kunst oder Provokation auf und wo wird das Medium Musik zur Gefahr? Es ist war,
dass Textpassagen wie: Jungfrauen sind mein Opfer. Ich erforsche ihr Inneres scharfe
Folterinstrumente sind jetzt in sie eingeführt, die Geschlechtsorgane herausgerissen um
sie zu verspeisen." unappetitlich, nicht unbedingt lustig und vielleicht auch Grund
für eine Indizierung sein können. Doch sie entspringen nur der Fantasie und sind sehr
offensichtlich grob übertriebene Provokationen, die man im Grunde nicht ernst nehmen darf
und kann.
6. Fazit
Letztendlich bleibt dann noch
die Frage: Wie viel Abstraktionsvermögen und Realitätsnähe wollen wir der Jugend
zutrauen? Die Filmindustrie hat mit den Altersfreigaben eine Form der Vermarktung gefunden
mit der man im Grunde genommen gut leben kann. Dies scheint für das Medium Musik weniger
praktikabel, weil Musik als Solche viel zu sehr von persönlichem Geschmack des einzelnen
abhängt. Wenn mir die Musik nicht zusagt, bekomme ich gar keinen Zugang zum restlichen
Inhalt. Und nur weil mir die Musik gefällt muss der Text keine unmittelbare Aussage für
mich haben. Das gilt vor allem für unpolitische Musik, wie die der Ärzte oder auch einer
Metal Band. Das Spiel der Instrumente selbst spielt in aller Regel beim individuellen
Hörer eine absolut übergeordnete Rolle. Das Jugendschutz dennoch gut, notwendig ist und,
dass Musik, die zum Beispiel zu verfassungsfeindlichen Zwecken, Terror oder Mord
instrumentalisiert wird, verboten werden muss, bleibt außer Frage. Alle devianten
Medieninhalte sind Dokumente ihrer Zeit und die Handhabung mit ihnen sollte stets
Zeitgemäß bleiben.
Literatur:
Akten zum Fall Skuld Releases
Akten aus Indizierungs- und
Verbotsbeschlüssen der Landgerichte Bonn, Mannheim und Stuttgart (1991-95)
Pieper, Werner (Hrsg.)
Gehasst, Verfemt Verbrannt- Verboten. Zensur und Musik weltweit, Löhrbach 1999
Seim, Roland, Zwischen
Medienfreiheit und Zensurbegriffen", Diss. Münster 1997
Seim Roland, /Spiegel Josef,
Ab 18" , Bd.2 Münster 1999
www.cannibalcorpse.com
www.morbidrecords.de
www.metalblade.com
www.rockhard.de
www.unitedglutturalrecords.com
Ein besonderes Dankeschön an Rock Hard,
Metal Blade Europe, Skuld Releases und Morbid Records für die Kooperation!
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