1. Der Fremde
Er steht meist am Anfang seiner
Videocarriere und will sich einen Einblick in die verschiedenen Genres des Videomarktes
verschaffen. Im Zuge dessen holt er sich auch mal einen Pornofilm aus der Videothek. Er
Hat meist keine konkreten Vorstellungen was ihn erwartet. Der Griff zu einem Film in der
großen Auswahl des Genres ist ungerichtet und wird nur von den Abbildungen des Covers
geleitet. Auch später erinnert sich der Fremde nicht an Titel oder Produktionsfirmen, die
Darsteller sind ihm ohnehin unbekannt. Er kennt auch kaum andere Pornokonsumenten. Die
Erfahrungen die er beim Konsum macht führen sehr schnell dazu daß er sich ein Urteil
bildet. Entweder findet er den angeschauten Film langweilig oder ekelhaft und bildet sich
somit ein negatives Urteil vom ganzen Genres. ( in diesem Fall ist nicht von einem
erneuten Konsum auszugehen).
Wenn er jedoch positive Erfahrungen macht,
das heißt wenn er die Filme als Abbilder seiner Phantasie erlebt kann daraus durchaus ein
häufiger Konsum und stärkere Spezialisierung entstehen und er wechselt in die Gruppe der
Touristen.
2) Der Tourist
Für den Tourist ist das konsumieren
eines Pornofilms mit dem zeitweisen Ausstieg aus dem Alltag gleichzusetzen. Das
alltägliche Fernsehprogramm wird durch den Videokonsum durchbrochen. Er ist gezielt auf
der Suche nach spezifischen Erfahrungen. Im Unterschied zum Fremden nutzt er Pornographie
häufiger aber nicht regelmäßig. Bei der Auswahl der Filme selektiert er viel stärker
als der fremde. Das Aussehen der Darsteller, das Alter und Ambiente des Films spielen eine
wichtige Rolle. Außerdem besitzt er bereits Kenntnisse über verschiedene
Produktionsfirmen, die ihm Aufschluß über die Qualität der Filme geben.
Zitat eines Konsumenten:
" ...meistens suche ich mir die Filme
von der Umschlaghülle her aus, vor allem die Hüllen, die ein Bißchen besser gemacht
sind. Wichtig sind natürlich auch die Marken...."(Zitat aus "Grauen und
Lust" übernommen)
3) Der Buff
Für ihn ist Pornonutzung ein
regelmäßiges Ritual und häufig an feste Orte gebunden.
Sie dringt auch in sein Privatleben ein,
zum Beispiel bei der Gestaltung seines Schlafzimmers. (große Doppelbetten, TV und
Videogeräte, erotische Bücher und Fotografien).
Der Buff leiht sich täglich oder
zumindest 1-2mal wöchentlich ein Video aus. Es genügt ihm nicht sich Filme auszuleihen,
er will sie auch besitzen, deshalb kopiert er sich Filme oder kauft sich Kassetten. Das
gibt ihm die Möglichkeit Filme mehrmals anzuschauen und immer einen Film zuhause zu
haben. Er nutzt auch andere Selektionskriterien bei der Auswahl der Filme wie zum Beispiel
Trailer die in geraffter Form über Neuerscheinungen informieren und auf bestimmten
Kassetten zusammengefasst sind.
Zitat eines sog. Buffs:
"...ich suche mir Filme von namhaften
Herstellern raus, also von Beate Uhse und ich frag manchmal die Verkäuferin oder die
Leute die da arbeiten, ob sie einen wirklich guten Porno haben."(aus " Grauen
und Lust" übernommen)
Der Buff pflegt auch Kontakte zu anderen
Pornokonsumenten und tauscht mit ihnen Filme und Wissen. Er zeichnet sich durch ein
umfassendes Filmwissen aus, welches sich häufig nicht nur auf das Pornogenre beschränkt.
Das Sexualleben des Buffs ist durch die regelmäßige Pornonutzung geprägt. Das führt in
Einzelfällen bis zur szenisch genauen Imitation der inszenierten Praktiken.
III. Verbotsumgehungsstrategien
Die Gewaltdarstellung und die
Darstellung der Pornographie ziehen einen großen Anteil ihrer Faszination aus dem
Tabuisierten und dem Verbotenen. Die Aushebelung der Zensurmechanismen wird in den Kreisen
der Konsumenten als kämpferisches Verfechten von Freiheitsansprüchen, als Provokation
und als Auflehnung gegen die Prüderie der Gesellschaft gesehen. Autoren, Verleger und
Drucker haben aufgrunddessen das sie im ältesten Massenmedium arbeiten die längste
Erfahrung mit Verboten und somit auch mit den Verbotsumgehungsstrategien. Es werden
Strategien entwickelt wie beispielsweise Angabe falscher Erscheinungsdaten, fingierte
Autoren bzw. Produzenten oder falsche Angaben des Druckortes.
Auch die Wiederveröffentlichung
zensierter Materialien ist ein beliebtes Mittel der Zensurumgehung, dabei werden die Filme
oder Bücher unter falschem Herrstellernamen und anderem Titel bei einem anderen
(teilweise ausländischen ) Verlag wiederveröffentlicht.
IV. Die Faszination des Verbotenen
Der Reiz der Verbotenen Produkte
und Medien liegt häufig genau im Verbot selbst begründet. Durch die Zensur entsteht
somit ein regelrechter Kult um die verbotenen Medien.
Es ist also nicht nur der Inhalt, der die
Käufer und Konsumenten sich für zensierte Medien zu interessieren, sondern auch oder vor
allem der Reiz ein solches verbotenes Stück zu besitzen.
So bilden sich Schwarzmärkte auf denen
Verbotene Pornographika gehandelt werden.
Es ist zu beobachten das die Faszination
der Fangemeinde steigt je strenger die Gesetze werden. Denn durch das Überschreiten von
Grenzen und Tabus entsteht in den Konsumenten ein Gefühl von Macht und Stärke.
Gleichzeitig grenzt sich der Konsument durch den Kauf eines verbotenen Mediums von der
Gesellschaft ab.