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30.01.2010
Die Zensur News und die Links Seite wurden mal wieder etwas aktualisiert. Weiter unten finden sich ältere Nachrichten und Hinweise zu Updates im News Archiv. Es lohnt sich desweiteren immer mal wieder auf der Website des Telos-Verlags zu schauen, dort gibt es häufiger Neuerscheinungen als hier Updates.


Aktuelle Zensur News
(von Roland Seim) Stand 30.01.2010

- Hannelore Elsner erwirkte beim Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung gegen die Autobiographie "Vom schönen Schein und wirklichen Leben" von Dieter Wedel, da es sich bei den Passagen über die 30 Jahre zurückliegende Liaison um "eine unerträgliche Melange aus Unwahrheiten und Indiskretionen" handele (börsenblatt).
- Die Dresdner Bürgermeisterin klagte erfolgreich, dass ein Gemälde, das sie unbekleidet darstellt, nicht mehr gezeigt werden darf (SPIEGEL).
- Laut "Die Zeit" zensierte Kulturstaatsminister Neumann einen Ausstellungstext im Historischen Museum (SPIEGEL).
- Das neue "Rammstein"-Album "Liebe ist für alle da" wurde Anfang November indiziert. Den Antrag stellte Bundesfamilienministerin von der Leyen. Grund für das Jugendverbot war vor allem ein Foto des Covers und der Song "Ich tu dir weh", in dem SM-Praktiken verbreitet würden (telepolis). Die Band veröffentlicht demnächst eine entschärfte neue Version, um das Album vermarkten zu können.
- Das Verfassungsgericht weist Ende Oktober die Beschwerde von Pornoanbietern im Internet ab. Auch fürderhin muss eine Altersverifikation vorgenommen werden (SPIEGEL).
- Bayerische Jugendschützer wollen das provokative Projekt "Heroin Kids" auf der Website www.vicious-videos.com vom Netz nehmen lassen, da es "entwicklungsbeeinträchtigend" für Minderjährige sei. Die Macher, Corinna Engel und Christian Kaiser, zwei junge Künstler aus München, die sich vorwiegend mit Videokunst befassen, versuchen sich gegen das Verbot zu wehren.
- Das AG Tiergarten beschlagnahmte am 26.6.2009 die gekürzte deutsche DVD-Fassung des französischen Horrorfilms "Inside - Was sie will ist in Dir".
- Das von der Bundesprüfstelle mit zahlreichen Indizierungen überzogene HipHop-Label Aggro Berlin hat aufgegeben. Die Plattenfirma ist geschlossen; andere Rap-Labels folgten (SPIEGEL).
- Jugendschützer wollen nun österreichische Webshops indizieren lassen, da dort in Deutschland indizierte PC-Spiele angeboten würden (SPIEGEL).
- Der BGH hob im Mai 2009 das Verbot des "Kannibalenfilmes" "Rohtenburg" wieder auf. Er durfte jahrelang nicht in deutschen Kinos gezeigt werden, da er gegen die Persönlichkeitsrechte des dargestellten Kannibalen Armin Meiwes verstoßen haben soll. Bei einem spanischen Filmfestival wurde der umstrittene Streifen ausgezeichnet (SPIEGEL). Der Filmverleih nannte dieses Verbot verfassungswidrig (siehe z.B. SPIEGEL und telepolis). Auch das Bundesverfassungsgericht stärkte die Freiheitsrechte und wies den Antrag auf einstweilige Anordnung zur Verhinderung des Filmstarts am 19.6. ab.
- Auf Initiative von Familienministerin von der Leyen sollten fünf der großen deutschen Internetanbieter vom BKA gemeldete Websites mit kinderpornographischem Material blockieren und mit einem Stopp-Schild versehen. Auch wenn der Kampf gegen Kinderschänder richtig ist, so kritisieren Gegner dieser Maßnahme u.a., sie sei ungeeignet, dem Problem Herr zu werden und die Hersteller zu belangen. Stattdessen könne es zu einer schwer kontrollierbaren Form von Internet-Zensur führen. Ein CDU-Politiker forderte z.B. Sperren auch für Online-Spiele (SPIEGEL); die SPD war gegen das geplante Gesetz (SPIEGEL). Demonstranten nannten die Ministerin "Zensursula" (SPIEGEL). Mittlerweile ist das Gesetz nach einigen Änderungen durch den Bundestag; konnte aber nicht wie geplant am 1.8. in Kraft treten.
- Ende Mai indiziert die Bundesprüfstelle die vor Jahren im Taschen Verlag erschienenen Bildbände "Roy Stuart - Vol. I und Vol. II".
- Wikipedia sperrt Autoren, die sich als Scientologen zu erkennen geben, von der Mitgestaltung an Wiki-Texten aus (weitere Infos).
- Jürgen Klinsmann verklagte die taz wegen einer satirischen Fotomontage zu Ostern, auf der er neben dem Monty-Python-Zitat "Always Look On The Bright Side Of Life" am Kreuz hängt (SPIEGEL). Das Landgericht München wies den Antrag allerdings zurück, und sprach sich für die Freiheit der Kunst aus.
- Unter dem Eindruck des Amoklaufes von Winnenden hat sich Galeria Kaufhof entschlossen, Filme und Spiele für Erwachsene aus dem Sortiment zu streichen.
- In der Türkei werden Artikel über Darwinsmus zensiert (SPIEGEL).
- Bayern lässt die zweite Ausgabe der "Zeitungszeugen" mit Nachdrucken des "Völkischen Beobachters" beschlagnahmen (Welt und SPIEGEL). Nach Einspruch des Verlages hebt das Landgericht München den Beschlagnahmebeschluss des Amtsgerichts München Mitte April wieder auf.
- Die Bundesprüfstelle indiziert Mitte Januar erstmals einen privaten Blog wegen Magersucht-Inhalten (SPIEGEL).
- Familienministerin von der Leyen will durchetzen, dass das Internet in Deutschland gefiltert wird, um strafbare Kinderpornographie einzudämmen (SPIEGEL). Justizministerin Zypries sperrt sich dagegen (SPIEGEL).
- Das umstrittene "Virgin Killer"-LP-Cover wurde von den Scorpions nun von der Band-Website entfernt, obwohl die britische Wikipedia-Seite wieder freigegeben worden ist. Eine Indizierung in Deutschland droht weiterhin. (welt.de).
- Wegen des Verdachts von "Kinderpornographie" aufgrund des LP-Covers "Virgin Killers" (1976) der deutschen Hardrock-Band Scorpions wurde eine englische Wikipedia-Seite Anfang Dezember blockiert (SPIEGEL und welt.de). In den USA scheint sogar das FBI zu ermitteln. Nach unserem Wissen war das Cover seinerzeit in Deutschland weder indiziert noch verboten, sondern wurde für spätere Auflagen vom Label RCA 1977 nach Protesten in einem Akt der "Selbstzensur" durch ein harmloses Motiv ausgetauscht. Nun mehren sich die Stimmen, das 32 Jahre alte Cover auf den Index zu setzen (SPIEGEL).
- Der Politiker Lutz Heilmann (Linke) lässt Mitte November die deutsche Startseite von Wikipedia sperren, da er in einem Beitrag über sich seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah. (SPIEGEL) Mittlerweile ist die Sperrung wieder aufgehoben.
- Die deutsche Regierung installiert im November das sog. BKA-Gesetz, das der Polizei weitreichende Befugnisse einräumt, die zu einer Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit führen könnten (tagesschau.de).
- Die britische Werbeaufsicht verbietet das Kinoposter zu "Wanted" (SPIEGEL).
- Das Amtsgericht München beschlagnahmte am 10.6.2008 "Hostel 2" - Extended Version (Sony). Der Film war seit dem 29.2.2008 indiziert.
- Wie jetzt bekannt wurde, beschlagnahmte das Amtsgericht München am 15.1.2008 das seit 2006 indizierte Computerspiel "Condemned".
- Ebenfalls erst jetzt wurde bekannt, dass Andreas Bethmanns Buch "Deep Wet Torture Handbook - Die 100 besten Frauenfolterfilme" am 25.5.2007 beschlagnahmt worden ist. Es war bereits seit dem 31.12.2003 indiziert.
- Das Buch "Kein Schutz, nirgends" von Gülsen Celebi über einen sog. "Ehrenmord" darf nicht mehr verkauft werden. Die Schwester eines Opfers hat per Einstweiliger Verfügung beim LG Mönchengladbach den Verkaufsstopp durchgesetzt (siehe jurablog und wdr).
- Die Bundesregierung verschärft das Jugendschutzgesetz u.a. im Kampf gegen sog. "Killerspiele" und Gewaltvideos (SPIEGEL).
- Die US-Agentur AP zensiert Pressefotos wegen angeblich obszöner Gesten (SPIEGEL).
- Teile des Buches "Interview mit einem Kannibalen" von Günter Stampf müssen auf gerichtliche Anordnung hin geschwärzt werden, da sie gegen das Persönlichkeitsrecht von Armin Meiwes verstoßen (SPIEGEL).
- Das Buch "Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage" von Georg Herbstritt darf nicht mehr ausgeliefert werden. Grund für die einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg war ein in dem Buch dargestelltes Ehepaar, das sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt sieht.
- Das Bundesfamilienministerium stellte einen Indizierungsantrag gegen das im Alibri Verlag erschienene religionskritische Kinderbuch "Wo bitte geht's zu Gott?" von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke, da es "antisemitische Tendenzen" enthalte (siehe z.B. Humanistischer Pressedienst und SZ). Die Entscheidung ergeht am 6.3. Unterdessen hat die Erzdiözese Rottenburg-Stuttgart Strafanzeige wegen Volksverhetzung erstattet, der der Staatsanwalt aber nicht entsprach. Der Alibri Verlag hat eine Unterstützerseite zur Rettung des Buches eingerichtet: ferkelbuch.de Die Bundesprüfstelle entschied am 6.3.2008, das Buch nicht zu indizieren (SPIEGEL).
- Antiquariate, die online indizierte Bücher verkaufen, können abgemahnt werden (SPIEGEL und Welt). Indizierte Bücher in Bibliotheken gehören zum "sekretierten" Bestand (Welt)
- Der Suhrkamp Verlag zieht Ende 2007 das Buch von Florian Havemann wieder zurück. Die zweite Auflage soll mit geschwärzten Passagen erscheinen und auch so im Internet stehen (SPIEGEL)
- Arcor musste nach Gerichtsbeschluss den Zugang zu "Youporn" für die Nutzer sperren (SPIEGEL). Am 8.2.2008 hob das LG Frankfurt die Sperre wieder auf. Der BGH verfügte strengere Alterskontrollen für Internetangebote, um den Jugendschutz zu verbessern (SPIEGEL). Jugendschützer träumen offenbar von einem "Kinder-Net" (siehe aktuell SPIEGEL).
- Das Bundesverfassungsgericht verbot am 12.10.2007 endgültig den Roman "Esra" von Maxim Biller. Die Persönlichkeitsrechte der Dargestellten seien höher zu bewerten als die Kunstfreiheit (SPIEGEL). Zur Pressemitteilung des BVerfG hier.
- In den USA hat ein Bloganbieter Einträge gesperrt, die sich mit ausgedachten Sexabenteuern von Harry Potter befassen (SPIEGEL).
- Nach amerikanischen Rassimusvorwürfen hat der deutsche Bookmark-Dienst "Mr. Wong" sein Logo - einen lachenden Asiaten - entfernt (SPIEGEL).
- Kabarettist Jürgen Becker hat vom Kölner Kardinal Meisner eine Unterlassungsklage bzgl. vergleichender Äußerungen zu ihm und den Taliban bekommen. Becker darf Meisner u.a. nicht mehr als "Hassprediger" bezeichnen (taz.de). Ähnlich erging es dem Grünen-Politiker Volker Beck.
- Gegen Internet-Zensur gibt es Aktivisten, die die Filter zu umgehen versuchen (SPIEGEL).
- Auch virtuelle Pornographie ist strafbar. So ermittelt die niederländische Polizei wegen Kinderpornographie in dem Online-Spiel "Second Life" (siehe Netzeitung).
- Bundesfamilienministerin von der Leyen will noch in diesem Jahr ein Gesetz gegen sog. "Killer-Spiele" auf den Weg bringen (SPIEGEL). Bayern fordert im Bundesrat ein Totalverbot (SPIEGEL).
- Google-Earth wird auf Druck verschiedener Regierungen immer häufiger zensiert (SPIEGEL).
- Die Innen- und Justizminister der EU planen, eine Liste von verbotenen Filmen und sog. Killerspielen online zu stellen. Ein EU-weites Verbot sei hingegen nicht geplant (SPIEGEL).
- Rund 50 Wissenschaftler, Juristen und Angehörige von Grenzopfern protestieren gegen das Verbot des Buches "Deutsche Gerechtigkeit" von Roman Grafe. Das Berliner Landgericht hat bereits im Februar 2006 dem Siedler Verlag eine Verbreitung untersagt, da ein ehemaliger DDR-Grenzoffizier gegen die Nennng seines Names im Zusammenhang mit Todesschüssen an der Berliner Mauer eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte (Tagesspiegel). Ende Dezember wurde auch dieser vom Autor initiierte Protestaufruf "Angriff auf die Pressefreiheit" untersagt.
- Die Ausladung des Kreml-Kritikers und Ex-Schachweltmeisters Garri Kasparow bei der Talkshow von Sabine Christiansen zum Thema "Die Russen kommen" sorgte für harsche Kritik an der Moderatorin (SPIEGEL).
- Das Landgericht Hamburg untersagt die Ausstrahlung des WDR-Filmes "Eine einzige Tablette" von Adolf Winkelmann über den Contergan-Skandal, und gibt damit den Anwälten der Firma Grünenthal recht, die u.a. eine Vermischung von Realität und Fiktion monierten (Die WELT).
- Verleger Rupert Murdoch und Autor O. J. Simpson zogen dessen skandalträchtiges Buch "If I dit it" noch vor Erscheinen wieder aus dem Verkehr (Deutsche Welle).
- Nach dem Amoklauf von Emsdetten fordern Politiker und Pädagogen einmal mehr schärfere Verbote vor allem von gewalthaltigen Computerspielen, den so genannten Ego-Shootern (siehe z.B. tagesschau.de, SPIEGEL und SPIEGEL sowie golem.de). Kerstin Griese, SPD, fordert vermehrtes Inidzieren (heise.de). Unterschriftenaktion von Medialog e.V. gegen das Verbot unter: www.killerspieleverbieten.de
- Der Soziologe und Philosoph Jürgen Habermas erwirkt gegen den Rowohlt Verlag eine einstweilige Verfügung. Der Verlag muss eine Passage aus der Joachim-Fest-Autobiographie "Ich nicht" streichen (SPIEGEL).
- Im aktuellen Pressefreiheitsranking der Organisation "Reporter ohne Grenzen" fiel Deutschland auf Rang 23 zurück. Grund war u.a. die "Cicero"- und BND-Affäre (SPIEGEL). In Deutschland werde getrickst und getarnt, meint der SPIEGEL.
- Mehrere einstweilige Verfügungen der Oppenheimers führten auch in der Neuauflage zur Schwärzung von zahlreichen Stellen im Buch "Der Bankier - Ein ungebetener Nachruf" von Werner Rügemer (ver.di).
- Der Appell einer Grünen-Politikerin hat erneut einen Streit um Kopftuch und Meinungsfreiheit ausgelöst (tagesschau).
- Nobelpreisträger Günter Grass hat gegen die FAZ eine einstweilige Verfügung wegen der Veröffentlichung zweier privater Briefe erwirkt (SPIEGEL).
- Wegen des Handels mit verfassungsfeindlichen Symbolen ist der Inhaber des Punk-Versandhandels "Nix gut", Jürgen Kamm (siehe Bild unten), vom Stuttgarter Landgericht zu EUR 3.600 Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte T-Shirts, Aufnäher und Buttons mit durchgestrichenen oder mit Fäusten zertrümmerten Hakenkreuzen vertrieben. Die Verteidigung kündigte an, in Revision zu gehen (NETZEITUNG und SPIEGEL)
- Aus Angst vor islamistischen Anfeindungen hat die Deutsche Oper in Berlin die Mozart-Oper "Idomeneo" abgesetzt (SPIEGEL). U.a. die Bundesregierung kritisiert dies als "vorauseilenden Gehorsam" und unnötigen Kniefall (SPIEGEL). Auch international rief diese Selbstzensur Kopfschütteln hervor (SPIEGEL). Andererseits: Müssen bei Mozart Köpfe rollen? (SPIEGEL). Die umstrittene Aufführung soll im Dezember wieder in den Spielplan aufgenommen werden.
- Ähnlich wie schon der Karikaturen-Streit sorgte auch Papst Benedikts Regensburger Rede für Aufregung in der moslemischen Welt. Radikale Islamisten drohen sogar mit Gewalt gegen den Vatikan und die Christen (SPIEGEL).
- Eine deutsche Staatsanwaltschaft prüfte, ob es sich um Gotteslästerung handelt, wenn sich Madonna bei ihrem Concert an ein stilisiertes Kreuz hängt (SPIEGEL). Nach Besichtigung der Show gab der Staatsanwalt Entwarnung (SPIEGEL). In Italien hatte es schon Ärger gegeben.
- Sorgen bereitet den Jugendschützern die US-Plattform youtube, auf denen auch indizierte rechtsextreme Musik downgeloaded werden kann (SPIEGEL).
- SPD-Chef Kurt Beck hat ein Verbot der Juli-Ausgabe von "Titanic" erwirkt, da er seine Persönlichkeitsrechte durch das Titelbild mit seinem Foto als Bär Bruno und der Textzeile "Problembär außer Rand und Band - Knallt die Bestie ab!" verletzt sah. Das Hamburger Landgericht untersagte jede weitere Verbreitung und drohte ein Ordnungsgeld von EUR 250.000 an (SPIEGEL).
- Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann/CDU fordert ein Verbot von so genannten "Killerspielen", gewalthaltige Video- und Computerspiele (SPIEGEL).
- Lukas Podolski wollte per einstweiliger Verfügung die satirische Radiosendung "Lukas' Tagebuch" auf EinsLive/WDR, in welchem er seines Erachtens verhohnepiepelt wird, untersagen lassen, und bis dahin keine Interviews für die ARD geben (SPIEGEL). Im August wies das Landgericht München seine einstweilige Verfügung ab.
- Um eine Art politische Zensur scheint es sich bei der Nicht-Verleihung des Heinrich-Heine-Preises an den umstrittenen österreichischen Schriftsteller Peter Handke zu handeln. Die Ratsfraktion der Stadt Düsseldorf will sich über die Entscheidung der Jury hinwegsetzen und die Verleihung an Handke verhindern, da er eine pro-serbische Haltung hätte. Er hatte eine Trauerrede am Grab des Diktators Milosevic gehalten (siehe dpa/sueddeutsche.de). Handke verzichtete schließlich auf den Preis.
- Während Berufsbesorgte ein Auftrittsverbot wegen "Satanismus" forderten, gewann die finnische Hard Rock-Band "Lordi" am Samstag den Eurovision Song Contest (SPIEGEL). Ironischer Schockrock ist im Mainstream angekommen, ohne dass das Abendland untergegangen ist.
- Was dem Islam recht ist, scheint dem Christentum billig zu sein: die Empfindlichkeit gegen eine Verhunzung ihrer Symbole und Glaubenssätze. Anders lässt sich die Aufregung über Dan Browns "Sakrileg" als Buch und Film nicht deuten. Nach gewonnenen Prozessen und belanglosen Boykottaufrufen besorgter Kleriker (siehe FAZ) dürfte der Siegeszug des Millionensellers allerdings nicht aufzuhalten sein.
- Schon vor der Ausstrahlung am 3. Mai sorgte die Papst-Satire "Popetown" auf MTV für Aufregung und Aufmerksamkeit (Bilder siehe unten). Vorsorglich beleidigte Katholiken wollten die in England produzierte - aber dort nie gesendete - Persiflage verhindern (siehe SPIEGEL). MTV stoppte die Werbekampagne. Während Jugendschützer forderten, die Sache noch einmal zu überdenken, betonten die Jungen Liberalen die Pressefreiheit (siehe SPIEGEL), forderte ein Bischof zum Boykott auf (SPIEGEL) und wollte ein Erzbischof das Verbot des Comic-Papstes (SPIEGEL). Der CSU-Fraktionschef zeigte den Sender MTV an (SPIEGEL); es wurde vergeblich versucht, eine einstweilige Verfügung gegen die Ausstrahlung zu erwirken (SPIEGEL). MTV sendete zunächst nur eine Folge mit anschließender Diskussionsrunde (SPIEGEL und FAZ), die SPIEGEL treffend mit "Viel Weihrauch um nichts" kommentierte. Die anderen Episoden folgten (SPIEGEL). Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein. Bayern plant, wieder eine Verschärfung des "Gotteslästerungsparagraphen" §166 StGB zu beantragen (SPIEGEL).
- Nach dem Streit um Gerhart Hauptmanns Bühnenstück "Die Weber" in Dresden gibt es erneuten Ärger zwischen Theatern und Verlagen als Urheberrechtsinhaber (siehe SPIEGEL).
- Das auf den Weg gebrachte neue Urheberrecht sieht vor, auch private Kopien von kopiergeschützten DVDs und CDs mit teils drakonischen Strafen zu ahnden (siehe SPIEGEL). Zu dem, was erlaubt bzw. verboten ist, siehe SPIEGEL.
- Stefan Raab muss nun 20.000 Euro Schmerzensgeld wegen seines "Schultüten-Gags" zahlen (siehe SPIEGEL).
- Nachdem die Stadt Pulheim das umstrittene Kunstprojekt "245 Kubikmeter" von Santiago Sierra in einer alten Synagoge unterbrochen hatte (siehe SPIEGEL), beendete der Künstler am 20.3. die Skandalaktion. Gerade jüdische Verbände und Kritiker wie Ralph Giordano bezeichneten das Einleiten von Gas und die Ausstattung der Besucher mit Gasmasken als unerträglich.
- Der Kriminologe Prof. Christian Pfeiffer fordert ein gesetzliches Verbot von brutalen Computerspielen für Minderjährige (siehe SPIEGEL).
- Die FSK hat dem umstrittenen Film "Tal der Wölfe" nach erneuter Prüfung eine Jugendfreigabe verweigert. Zwar ist er damit nicht verboten, wie manche forderten, darf aber nur noch "ab 18 Jahren" gezeigt werden (siehe SPIEGEL).
- Die niedersächsische Band "Oomph" wurde wegen ihres Songs "Gott ist ein Popstar" von der Echo-Verleihung auf RTL ausgeladen; auch Radiosender wie EinsLive wollen den Song nicht ausstrahlen (siehe Netzeitung und SPIEGEL). Wenn solche Animositäten weiter um sich greifen, wird man in Zeiten der Vogelgrippe wohl auch noch Lieder wie "Alle Vögel sind schon da", "Heile, heile, Gänschen" und "Alle meine Entchen" vom Sender nehmen.
- Der "Kannibalenfilm" "Rohtenburg" darf nicht in deutschen Kinos gezeigt werden, da er gegen die Persönlichkeitsrechte des dargestellten Kannibalen Armin Meiwes verstoße. Der Filmverleih nennt dieses Verbot verfassungswidrig (siehe z.B. SPIEGEL und telepolis). Bei einem spanischen Filmfestival wurde der umstrittene Streifen im Oktober ausgezeichnet (SPIEGEL). Das Theaterstück "Ehrensache" über einen Mörder darf in Hagen nicht mehr aufgeführt werden (siehe SPIEGEL).
- Deutsche Karnevalsumzüge wurden im Frühjahr 2006 entschärft, damit missverständliche Islam-Satiren nicht zu Konfrontationen führen können (siehe WELT).
- Zu einem regelrechten Konflikt der Kulturen führte der Abdruck von zunächst in dänischen Zeitungen veröffentlichten "Mohammed-Karikaturen" durch europäische Zeitungen. Den Streit zwischen Pressefreiheit und Religionsbeschimpfung bekamen auch deutsche Vertretungen im islamischen Ausland zu spüren, die Zielscheibe von Protesten wurden (siehe SPIEGEL und aktuell SPIEGEL). In dieser aufgeheizten Stimmung geht die Angst vor den Folgen von Islamkritik um (siehe SPIEGEL). Die Giordano-Bruno-Stiftung stellte eine Petition für Meinungsfreiheit online. Die italienische Zeitung "Studi Cattolici" heizte mit einer Mohammed-in-der-Dante-Hölle-Karikatur den Streit neu an (SPIEGEL).
- Zahlreiche politische Einträge im amerikanischen Teil der Online-Enzyklopädie Wikipedia sollen von einem US-Kongress-Angestellten manipuliert worden sein (siehe SPIEGEL). In Deutschland schönten Siemens-Mitarbeiter den Eintrag ihres Chefs (SPIEGEL).
- Die US-Regierung soll Forschungsberichte der NASA zum dramatischen Klimawandel zensiert haben (siehe SPIEGEL).
- Ein wohlkalkulierter Skandal um die Plakataktion "EuroPART" hat in Wien für aufgeregte Diskussionen gesorgt. Die Künstler boten an, zwei der Poster zurückzuziehen. Die Vorwürfe lauten u.a. Frauendiskriminierung, Pornografie, Verunglimpfung von Politikern und Verschwendung von Steuergeldern (siehe SPIEGEL).
- Die schwarz-rote Koalition plant in Deutschland ein Verbot der so genannten "Killerspiele" (vgl. Heise-Online). Siehe auch das Interview mit Seim in den "Lüdenscheider Nachrichten".
- Auch in der Schweiz gehen Polizei und Zoll verstärkt gegen Fans von Horrorfilmen vor. Anhand einer Verbotsliste, die etwa 200 Titel umfasst, werden Warensendungen konfisziert und Haussuchungen durchgeführt, wie facts.ch (siehe dort auch die Liste) berichtet.
- Am 29.10.2005 indizierte die BPjM "Das Buch Noctemeron - Vom Wesen des Vampirismus" von Frater Modor (weitere Infos hier). Buchwurm.info wurde vom Bayerischen Landesjugendamt aufgefordert, seine Besprechung von der Website zu nehmen.
- Mehrere deutsche HipHop-CDs (z.B. "Ansage Nr. 2", 3 und 4) des Labels Aggro Berlin wurden seit rund einem Jahr u.a. wegen Drogenverharmlosung und Sexismus indiziert. Am 30.9.2005 traf es auch die CD "King of Kingz" von Bushido (siehe "Kulturzeit"), und "Maske" von Sido, "Obscuritas Eterna" von MC Basstard und "Vom Bordstein bis zur Skyline" von Bushido.
- Die Knef-Biographie "Das Glück kennt nur Minuten" von Jürgen Trimborn darf nach juristischem Einspruch des letzten Ehemanns der Knef nicht mehr verkauft werden. Zu den zahlreichen gerichtlichen Biographieverboten siehe Kulturzeit.
- Stefan Raab wurde vom AG München wegen seines Schultüten-Gags zu 150.000 Euro Strafe verurteilt (siehe SPIEGEL).
- Der ostdeutsche Holzbildhauer Günther Schumann muss sich im Herbst vor Gericht für seine "Arschficker"-Skulptur verantworten, da Polizeibeamte Anzeige wegen Beleidigung erstattet haben (siehe das Interview in Junge Welt).
- Der Heise-Verlag erhielt wegen einer Berichterstattung über das Knacken des CD-Kopierschutzes u.a. eine gerichtliche Abmahnung, da in dem Online-Artikel auf entspr. Sites verlinkt wurde, was die Musikindustrie als Werbung für illegales Handeln sah. Die Journalisten fürchten eine Einschränkung der Pressefreiheit. Das OLG München bestätigte unlängst das Verbot (siehe die Dokumentation bei Heise.de).
- Datenschützer sehen in der "Vorratsspeicherung" von Daten einen Eingriff in die Meinungsfreiheit (SPIEGEL) und bei den aktuellen Repressionen gegen Journalisten z.B. von "Cicero" einen Angriff auf die Pressefreiheit (SPIEGEL und Kulturzeit).
- Die Bundesprüfstelle indizierte am 30.6.2005 das Buch "Forbidden Erotica - The Rotenberg Collection". Nun wurde Name Programm bei dem 2000 im Taschen Verlag erschienenen und 2005 in kolorierter Sonderausgabe neu veröffentlichten Bildband, der auf rund 500 Seiten Tausende von recht expliziten Schwarzweiß-Aktfotos aus den Jahren von ca. 1850-1940 wiedergibt: Unzüchtiger 'Schweinkram', der schon Uropa erregte, kann auch noch heute als jugendgefährend gelten. Wobei fraglich sein dürfte, ob heutige Internet-Kids an derlei verblichenen Sexbildchen interessiert sind. Und wer das seit fünf Jahren erhältliche Buch jetzt noch nicht hat, der wollte es auch nicht haben.
- Der Bundesgerichtshof bestätigt am 21.6.2005 das Verbot von Maxim Billers Roman "Esra" wegen Verletzung von Persönlichkeitsrechten der beiden dargestellten Protagonistinnen (s.u.). Der KiWi-Verlag will Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht einlegen.
- Aus Angst vor Attentaten wegen der Verletzung religiöser Gefühle der Moslems, wurde die Skultpur des deutschen Künstlers Gregor Schneider bei der Biennale in Venedig wieder abgebaut (siehe SPIEGEL).
- Ein bedenklicher Schritt in Richtung Zensur bahnt sich im Internet an: Deutsche Suchmaschinenbetreiber (z.B. auch google.de) beabsichtigen, künftig u.a. alle von der Bundesprüfstelle als jugendgefährdend indizierten Websites aus ihren Trefferlisten zu streichen. Betroffen sind derzeit ca. 1.000 pornografische oder rechtsextreme Online-Angebote (siehe SPIEGEL und c't). Außerdem sollen Websites herausgefiltert werden, die zu Straftaten anleiten. Die unter dem Dach der so genannten Freiwiligen Selbstkontrolle der Multimedia-Diensteanbieter FSM gegründeten Kontrollinstanz könnte allerdings auch eine Bevormundung von Erwachsenen bedeuten. Fürderhin muss man für vollständige Ergebnisse wohl auf ausländische Suchmaschinen wie google.com ausweichen. Allerdings adaptiert Google jetzt auch die chinesischen Zensurbestimmungen (siehe ap und SPIEGEL). Auf der anderen Seite sieht sich Google mit dem Vorwurf und einer Klage konfrontiert, Kinderpornographie zu erleichtern (SPIEGEL)
- Einen üblen Vorgeschmack dieser Entwicklung zeigt die Schließung der Website dunklekunst.de (dort die Begründung) Mitte März wegen angeblich "gewaltpornographischer Kurzgeschichten" (siehe auch hier).
- Nach Protesten von Tierschützern hat eine US-Tochter des Kraft-Unternehmens eine Gummibärchen-Sorte namens "Road Kill" vom Markt genommen, da sie überfahrene Tieren darstellen sollen (siehe SPIEGEL). Diese Geschmacklosigkeit sei für Kinder ein falsches Signal gewesen.
- Ebenfalls in den USA versucht ein Anwalt die PC-Spiele-Industrie auf Millionen von Dollar zu verklagen, u.a. da die Games zu Straftaten verleitet hätten (vgl. SPIEGEL).
- Auf Druck von katholischen Kreisen hat das Volkstheater München das Plakat für die Premiere von "Fegefeuer in Ingolstadt" noch vor der Premiere im Januar 2005 zurückgezogen. Dargestellt war ein gekreuzigter Frosch, der einem Maßkrug hält. Das Plakatmotiv basiert auf einer Arbeit des 1997 gestorbenen Künstlers Martin Kippenberger (siehe Stern und Der Standard, Bildbeispiel im Teil 2 dieses Textes).
- Der österreichische Cartoonist Gerhard Haderer bekommt Ärger mit seinem Buch "Das Leben des Jesus". Anfang 2005 wird er in Griechenland sogar zu 6 Monaten Haft verurteilt (in Abwesenheit).
-Das Landgericht Berlin verbietet Ende November 2004 (am 11.1.2005 vom Kammergericht Berlin bestätigt) per einstweiliger Verfügung die weitere Aufführung des Gerhart Hauptmann-Theaterstückes "Die Weber". Geklagt hatte der Verlag Felix Bloch Erben, der die Bühnenrechte innehat. Das Dresdner Staatsschauspiel hätte unerlaubterweise Äußerungen dem Stück hinzugefügt, die als unpassend und anstößig gelten. Außerdem versuchte Sabine Christiansen, juristisch gegen den Satz "Wen ich sehr schnell erschießen würde, das wäre Frau Christiansen" vorzugehen. Das Landgericht Dresden lehnte allerdings deswegen eine einstweilige Verfügung ab. Ab 10. Mai 2005 wird das Stück wieder gespielt, allerdings ohne die zwei der umstrittensten und somit gestrichenen Passagen (SZ, 7.5.: "Ohne ein paar Worte"; siehe auch SPIEGEL)
- Verurteilung von Alvar Freude wegen Verlinkung auf verbotene Websites im Rahmen einer Dokumentation (Telepolis).
- Mitte September wurde eine einstweilige Verfügung erwirkt, um zu verhindern, dass sich das Kinderhilfswerk "Terres des hommes" kritisch zur Adoption des Kanzlerpaares Schröder äußert (siehe Spiegel-Online). Auch das sog. "Caroline-Urteil" (siehe Spiegel-Online) dürfte die Pressefreiheit einschränken.
- Der Generalbundesanwalt ermittelt Anfang September gegen den Autor des Ullstein-Buches "Bedingt dienstbereit" Norbert Juretzko wegen des Verdachtes auf Verrat von Staatsgeheimnissen. Ex-Kanzleramtsminister Schmidbauer hat eine Unterlassungklage wegen einiger Passagen gegen das u.a. bei amazon.de hoch platzierte Buch erwirkt (SZ, 6.10.2004: "Fristgerecht").
- Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt Mitte August 2004 gegen die Theatergruppe "La Fura Dels Baus" wegen des Verdachtes auf Pornographie in ihrem Theaterstück "XXX" (siehe Spiegel-Online).
- Das Amtsgericht Halle beschlagnahmt im August 2004 die rechte CD "Anpassung ist Feigheit", die gratis auf Schulhöfen verteilt werden sollte (siehe Telepolis; Abb. im Teil 2 dieses Textes). Nun beginnt der Prozess gegen einer Hersteller (siehe SPIEGEL).
- Das Amtsgericht München beschlagnahmt am 19.7.2004 das Computerspiel "Manhunt" (Play Station 2). Die Bundesprüfstelle indiziert am 31.7.2004 Gerhard Konzelmanns Roman "Sindbad der Seeräuber" (1995).
- Gloria von Thurn und Taxis' Biographie "Gloria - Die Fürstin" muss nach einer einstweiligen Verfügung in künftigen Auflagen entschärft werden (Spiegel-Online), da Persönlichkeitsrechte von Dargestellten verletzt worden seien.
- Auch ein Kanzler muss sich nicht alles gefallen lassen: Schröder ließ den Krimi "Das Ende des Kanzlers - der finale Rettungsschuss" von Reinhard Liebermann verbieten (SZ, 15.4.2004: "Kunstgriff" und Spiegel-Online). Grund war der Umschlag, auf dem im Fadenkreuz ein schröderartiges Gesicht zu sehen war (Foto weiter unten). Namentlich ist er nicht erwähnt. Am Ende wird der Buch-Kanzler erschossen. Der Betzel Verlag ließ eine 2. Aufl. mit geändertem Cover drucken, die nach Urteil des OLG Hamburg auch nicht mehr vertrieben werden darf (SZ, 22.6.2004: "Gefährliche Nähe").
- Nach Einspruch des Zentralrats der Juden untersagte Bayern, eine Kabel 1-Show "Judas Game" zu nennen. Sie heißt jetzt "J-Game". Alle Nennungen während der Sendung wurden überpiept (SZ, 7.2.2004: "Gurken aus Holland").
- "Delprado"-Flugzeugmodelle werden wegen Hakenkreuzen beschlagnahmt und vom Markt genommen.
- Anfang 2004 werden u.a. die Horrorfilme "Blood Feast" von Herschell Gordon Lewis (aus dem Jahr 1963!) und "Riverplay" von Olaf Ittenbach auf DVD beschlagnahmt.
- Das AG-Tiergarten verurteilte Michael Naumann zu EUR 9.000.- Strafe, da er einen Staatsanwalt "durchgeknallt" nannte.
- Der protestantische Kirchenhistoriker Gerhard Besier zieht auf öffentlichen Druck hin sein Buch über Scientology zurück (SZ, 28.10.2003: "Rolle rückwärts in die Zukunft"), da Kritiker meinten, es verharmlose die umstrittene Sekte.
- Einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin gegen den Schriftsteller Alban Nikolai Herbst (d. i. Alexander von Ribbentrop), der wegen Persönlichkeitsrechtsverletzungen unter Androhung einer Geldstrafe von bis zu EUR 250.000 nicht mehr öffentlich aus seinem Roman "Meere" vorlesen (lassen) darf. Geklagt hatte seine ehemalige Lebensgefährtin und Mutter eines gemeinsamen Sohnes (vgl. NZZ, SZ, taz, Die Welt vom 26.9.2003). Einen Monat später verbot das LG Berlin auch die Auslieferung/Verbreitung des Buches (SZ, 24.10., S. 13: "Zu indiskret" und 25.10.2003, S. 17: "Der arme Poet").
- Einstweilige Verfügung gegen Dieter Bohlens Trash-Buch "Nichts als die Wahrheit" wegen ehrabschneidender Passagen, was den Erfolg weiterer - leicht geänderter - Auflagen aber nicht schmälerte. Auch gegen sein neues Buch "Hinter den Kulissen" wurden Anfang Oktober 2003 mehrere Verfügungen erwirkt (Spiegel und Spiegel). Der Verkauf des Buches wurde vom Berliner Landgericht gestoppt; die bereits ausgelieferten Exemplare sollten vom Verlag zurückgerufen werden (SZ, 7.10.2003: "Schwarze Stellen"). Gleichwohl überschwemmten die 200.000 Vorbestellungen den Buchmarkt. Auch gegen "Naddels" Bio(grafie)-Müll "Ungelogen" wurde Mitte Oktober 2003 eine Verfügung erwirkt.
- Herbert Grönemeyer erwirkt im Oktober und November 2003 beim Landgericht Berlin insg. drei einstweilige Verfügungen gegen die von ihm nicht autorisierte Biografie "Grönemeyer" von Ulrich Hoffmann. Das Buch darf wegen 53 Stellen, die nicht der Wahrheit entsprächen oder das Persönlichkeitsrecht verletzten, nicht mehr verbreitet werden (SZ, 8.10.2003: "Mensch Herbert" und 5.11.2003: "Genug ist nicht genug"). Was mit der bereits gedruckten, überarbeiteten 2. Auflage geschieht, ist ungewiss.
- Einstweilige Verfügung des Hamburger Landgerichtes gegen das Buch "Zwischen Licht und Schatten" von Hans Saler, in welchem er Reinhold Messner die Mitschuld am Tod seines Bruders Günther vor 33 Jahren wegen überzogenem Ehrgeiz gibt (SZ, 17.7. und 10.9.2003). Anfang September 2003 verbot das Gericht dieses Buch in der vorliegenden Form.
- Untersagung von Äußerungen über des Kanzlers Haarfarbe (SZ, 13.4.2002; Die Welt, 18.5.2002) und angebliche außerhäusige Nachtquartiere (SZ, 31.12.2002) bzw. Affären (SZ, 8.1.2003). Das Bundesverfassungsgericht wies am 26.9.2003 die Beschwerde der Nachrichtenagentur ddp ab (FAZ, 27.9.2003: "Noch immer farblos").
- Einstweilige Verfügung durch islamische Gruppen gegen Udo Ulfkottes Buch "Der Krieg in unseren Städten" wegen angeblich falscher Darstellungen.

 

 

Diese Website wurde für das Seminar "Zensur und Verbote in den populärkulturellen Medien Deutschlands" an der Universität Münster eingerichtet. Seitdem widmet sie sich weiter Themen der Zensur. Wir freuen uns über ihre Beteiligung am Diskussionsforum.
(
Dr. Roland Seim/ Kolja Steinrötter)

 



News Archiv:


06.03.2007
Medialog e.V. hat ein Interview mit Roland Seim zum Thema "Killerspiele" geführt. Zu lesen gibt es das auch bei uns:

Interview zum Thema "Killerspiele"
von Pierre Kretschmer (Medialog e.V. )
mit Roland Seim (März 2007)

27.01.07
Im Textarchiv ist ein neuer Text von Roland Seim online: "Die Geheimnisse der Zensur" (auch auf www.Telos-Verlag.de).

25.04.06
Nach circa 457.857 Jahren, tatsächlich mal wieder ein Update! Oder sagen wir, zumindest ein paar Hinweise. 

1. Ein Hinweis zur Seite
http://www.rockundzensur.de/ zum Ausstellungs-Projekt von Dr. Roland Seim und Dr. Josef Spiegel - "Nur für Erwachsene". 

2. Ein Hinweis auf eine Neuerscheinung im Telos Verlag, und zwar: Philip Akoto:
"Menschenverachtende Untergrundmusik?"

Und jetzt, wo ich mir grade die Verlagsseite anschaue - da sind ja noch viel mehr Neuerscheinungen

3. Reto Wehrlis
"Verteufelter Heavy Metal" gibt es jetzt in einer (noch dickeren!) Neuauflage.

08.12.2003
Neu Online: Interview mit Dr. Roland Seim für das Fanzine "Underdog" (#6, 2003)

14.01.2004
Ende Januar erscheint mein Buch
"Science and a Sense of Hope" im Telos Verlag. (Kolja Steinrötter).

19.07.2003
Neuer Text online:
"Das neue Jugendschutzgesetz: Schnellschuss mit Mängeln" von Jan Berger

Für weitere aktuelle Infos schaut auch beim Telos Verlag vorbei, es lohnt sich.

28.08.2002
Eine für das Thema Jugendschutz und Film sehr interessante Seite ist 
Film-freunde.de

19.02.2002
Die Internet Seite
www.Schnittberichte.de ist vom Netz gegangen worden (mehr Infos dazu HIER ). 

06.02.2002
Die Internet Seite
HEAVY oder WAS? hat eine Rezension zu Reto Wehrlis Buch "Verteufelter Heavy Metal" veröffentlicht.


Im Januar Heft von
KONKRET ist außerdem "Ab 18 - Band 2" besprochen worden. Leider ist die Rezension online nicht zugänglich. (im Heft unter "Buch und Deckel - Michael Klarmann über Roland Seim/Josef Spiegel (Hg.): Der kommentierte Bildband „Ab 18“ – Zensur in der deutschen Kulturgeschichte")


09.12.2001
Im neuen "Musikexpress" ist eine Kritik zu Reto Wehrlis Buch "Verteufelter Heavy Metal" erschienen und auch bei Telepolis gibts eine
Rezension zu lesen, allerdings zu "Ab 18 Band 2". 

16.11.2001
Seminar
"Massenkommunikation und Herrschaftsordnung": 
Die zweite wissenschaftliche Arbeit des letzten Seminars ist jetzt Online. Magnus See schreibt über
"Popkultur vs. Hochkultur - die unterschiedlichen Freiheitsgrenzen zweier Kulturformen"

03.10.2001
Das alte Gästebuch ist kürzlich verstorben. Ich habe herzlos schnell ein neues gebastelt.

01.10.2001
Auszüge aus der verbesserten Neuauflage von "Ab 18" - Band 2 gibt es
HIER . (Die Qualität hat unter meiner schlampigen html unwandlung etwas gelitten...).

28.09.2001
Es gibt jetzt eine
annotierte Bibliographie einiger Neuerscheinungen zum Thema Zensur und neues auf der Links-seite. Dazu habe ich die Hauptseite etwas unübersichtlicher gemacht. Toll.

06.09.2001
Habe die Verlags Seite etwas aufgefrischt. 

25.08.2001
Die Verbesserte Neuauflage von "Ab 18. Band 2" (ISBN 3-933060-05-2, ca. 350 S., über 450 Abb. und 
Faksimiles, DM 49,80) erscheint voraussichtlich Mitte/Ende Oktober 2001.

19.08.2001
Eine Neuerscheinung im Telos Verlag,
"Reto Wehrli: Verteufelter Heavy Metal". Zu erwerben bei Amazon.de oder Hier.

Am Dienstag, den 17.07.2001 ist die Abschlußsitzung des Seminars über "Zensur und Herrschaftsordnung". Die Arbeiten dieses Semesters werden dann allmählich auf dieser Seite erscheinen. 

Freitag 22.06.2001
Update der Telos-Verlag Site und andere kleinere Änderungen.

Mittwoch 30.05.2001
Es sind zwei neue Texte im Archiv,
"Der Volkswartbund" und "Indizierte Hörspiele - Hörgenuß erst ab 18 Jahre", von Ralf Palandt.
Der erste Beitrag zum Seminar im SS2001 
"
Massenkommunikation und Herrschaftsordnung" mit dem
 Thema
"PR + Öffentlichkeitsarbeit" ist jetzt online. 

 

 
 

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